Teilnahme und Mitwirkung an Tagungen

Das Bündnis auf dem Bundeskongress Soziale Arbeit in Hamburg 2012

Bündnis Kinder- und Jugendhilfe präsentiert sich mit zwei Workshops beim Bundeskongress Soziale Arbeit in Hamburg.

  Unser Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit hat sich erstmals öffentlich präsentiert. Dies geschah im Rahmen des Bundeskongresses Soziale Arbeit vom 13. – 15. September 2012 in Hamburg.   Mit zwei Workshops, die sich thematisch ineinander fügten, setzte unser Bündnis ein Zeichen für eine selbstbewusste Auseinandersetzung hinsichtlich der gegebenen Situation der Kinder- und Jugendhilfe und der Frage danach, wie wir als eigene Profession zukünftig Kinder- und Jugendhilfe definieren und gestalten wollen.

Im ersten, sehr gut besuchten Workshop Kinder- und Jugendhilfe definieren wir! stellte das Bündnis sein kürzlich erarbeitetes Leitbild der Fachöffentlichkeit vor und bat um eine kritische Auseinandersetzung mit diesem. Hans Thiersch unterstrich dabei unsere Absicht, dieses Leitbild nicht festzuschreiben, sondern eher als Ausgangspunkt einer Reflexion und eines Definitionsprozesses zu verstehen, also als ein charakteristisches Merkmal für einen Teil unserer fachlichen Arbeit. Soziale Arbeit und hier speziell die Kinder- und Jugendhilfe nimmt neben der konkreten Arbeit mit den Themen der Unterstützung suchenden Menschen immer auch den dahinter liegenden gesellschaftlichen Horizont auf, definiert diesen und gestaltet daraus einen  Handlungsansatz, der sich im Kern parteilich für die Umsetzung verbesserter Lebensbedingungen für diejenigen Menschen einsetzt, die –wie auch immer- an der gesellschaftlichen Teilhabe gehindert werden oder von Exklusion bedroht sind. Aus dem Kreis der Workshopbesucher kamen viele konstruktive Anregungen zu unserem Leitbild, die wir nun im Nachgang aufgreifen und in dieses integrieren werden. Unser Blog www.buendnis-jugendhilfe.de versteht sich zukünftig auch als eine Möglichkeit, wie dieser Definitionsprozess im Dialog mit Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis, aus Forschung und Lehre, mit Studierenden, sowie mit den Nutzerinnen und Nutzern der Kinder- und Jugendhilfe weiter gestaltet werden kann. Dafür ist derzeit der Blog derzeit noch nicht so ausgereift, wie wir uns das vorstellen, aber wir werden dies nach und nach entsprechend entwickeln. Hier bitten wir alle Interessierten um etwas Geduld. Bitte vergessen Sie nicht, das alle Gestaltenden unseres Bündnis Kinder- und Jugendhilfe in intensive Arbeitsprozesse eingebunden sind und wir deshalb immer nur über relativ geringe Zeitkontingente verfügen.  

Im zweiten Workshop Kinder- und Jugendhilfe gestalten wir! entwickelte sich eine intensive Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Kinder- und Jugendhilfe. Wir müssen die gegenwärtige Situation mit großer Sorge betrachten, denn die seit Jahren einsetzende Deprofessionalisierung unserer Arbeit, die zunehmende Aushöhlung der rechtlichen und qualitativen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere in den Bereichen der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und der Hilfen zur Erziehung, führt zu unerträglichen Überforderungen für PraktikerInnen und für die Adressaten unseres Leistungsangebotes. Besonders gravierend zeigt sich dies in der Umsteuerungspolitik der  Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg, wo derzeit eine Praxis gestaltet wird, die den ethischen Grundlagen und der Fachlichkeit unserer Arbeit ins Gesicht schlägt und auch die rechtlichen Rahmensetzungen insbesondere der UN-Kinderrechtskonvention und des SGB VIII ad Absurdum führt. Besonders bedenklich dabei ist, dass diese, dem neoliberalem Gedankengut folgende  Umsteuerungspolitik aus Hamburg offensichtlich als bevorzugtes Modell für die weitere Gestaltung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland betrachtet wird, immer verbunden mit der allgegenwärtigen Begründung der „Schuldenbremse“.   Auf der Basis dieser Situationsanalyse beschäftigte sich der Workshop mit den Möglichkeiten für die Gestaltenden der Kinder- und Jugendhilfe, diesem Unwesen auf allen Ebenen etwas selbstbewusst entgegenzusetzen und im Sinne einer Parteilichkeit und Anwaltschaft für unsere Klientel Sand in das Getriebe der derzeitigen fremd gesteuerten Kinder- und Jugendhilfepolitik zu streuen, die allein betriebswirtschaftlichen und kontrollierenden Implikationen folgt.   Insgesamt war auf dem Bundeskongress Soziale Arbeit aus den angebotenen Vorträgen und Workshops eine thematische Gewichtung zu erkennen, an der sich ablesen lässt, dass der Prozess der Umgestaltung und Demontage unserer Demokratie und des Sozialstaates als einer ihrer Säulen weit vorangeschritten ist und wir mit großen Schritten in ein politisches System abdriften, welches der Sozialphilosoph Jürgen Habermas als „marktkonforme Fassadendemokratie“ bezeichnet. Diese Umsteuerungsprozesse greifen weit über unseren Fachbereich hinaus in eine vollkommen neue Dimension der Diktatur des Kapitals, die letztlich immer mehr Menschen in vielfältiger Weise berauben und ausgrenzen wird. Wer diese Entwicklung nicht möchte, darf nicht in einer Haltung des „Gegen die da oben kann man ja eh nichts ausrichten.“ stehen bleiben, sondern muss konsequent solche Tendenzen skandalisieren und ihnen entschlossen entgegentreten. Dies gemeinsam und solidarisch zu tun, verleiht unserer Haltung eine Power, die uns zu einem langen Atem befähigt.   Wenn in dieser massiven gegenwärtigen Gesellschaftskrise eine Chance liegt, dann liegt sie in der Erkenntnis, dass uns Demokratie nicht billig zufällt, sondern dass wir, egal ob in unserer Profession oder als Bürger im Alltag immer in politische Kontexte eingebunden sind, auf die wir aktiv verändernd Einfluss nehmen können und müssen.   Matthias Heintz, 18.9.2012

 

 

Das Bündnis auf dem Bundeskongress Soziale Arbeit in Darmstadt 2015

Vom 30.9. bis 2.10.2015 fand in Darmstadt der Bundeskongress Soziale Arbeit unter dem Motto: Politik der Verhältnisse, Politik des Verhaltens statt. Das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit nutzte die Teilnahme am Kongress für verschiedene Aktivitäten.
Zum einen wurde an einem Stand der aktuelle Aufruf zum Memorandum www.memorandumjugendhilfe.de präsentiert und die BesucherInnen zum Mitzeichnen des Aufrufs im Netz ermutigt. Der Aufruf zum Memorandum ist eine Aktion, mit der das Bündnis auf die gegenwärtigen Gefährdungen bzw. den Abbau der fachlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe durch politische Interventionen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene aufmerksam machen will. Alle an einer fachlich qualifizierten und nachhaltigen Jugendhilfe Interessierten können durch Mitzeichnung des Aufrufs sich entsprechend zu positionieren.

Darüber hinaus gestalteten Mechthild Seithe und Matthias Heintz vom Bündnis einen Workshop, in dem die Methoden einer fremdgesteuerten, betriebswirtschaftlich orientierten Kinder- und Jugendhilfe mit dem Fokus auf die ambulanten Hilfe zur Erziehung im Blickpunkt standen. Der gut besuchte Workshop gestaltete sich spannungsreich, da viele Teilnehmende aus der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe zunächst ihren Unmut über die heutige verkürzte und unzureichende Praxis äußerten und Tipps zur Gegenwehr dieser Deprofessionalisierung erwarteten. Es zeigte sich, dass dies gar nicht so einfach ist, da die KollegInnen in der Praxis oft in Abhängigkeiten stehen, die eine offene kritische Haltung gegenüber der verkürzten Praxis erschweren bis verunmöglichen. Dennoch konnten in dem Workshop verschiedene Formen des Widerstandes gegen die gängige Praxis erarbeitet werden. Deutlich wurde insbesondere, dass eine Offenlegung der Mangelsituation in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe gut vorbereitet sein sollte. Darüber hinaus ist es sehr ratsam, Widerstand und Kritik nicht alleine zu gestalten, sondern sich Verbündete zu suchen bzw. sich Organisationen, wie Gewerkschaften, dem Berufsverband DBSH oder Foren, Bündnissen oder Arbeitskreisen anzuschließen bzw. Letztere selbst zu gründen.
Da in dem Workshop auch eine Reihe Studierender saßen, wurde auch deutlich, wie im Zuge des Bologna-Prozesses auch eine ökonomisierte Lehre der Sozialen Arbeit Oberhand gewinnt. Auch hier wurden Ideen erarbeitet, wie die Studierenden selbst sich gegen diese fachliche Enteignung ihres Studienfaches wehren und Alternativen entwickeln können.

Darüber hinaus wurde die Frage behandelt, wie der aktuelle Aufruf zum Memorandum begleitet und für die weitere Arbeit des Bündnisses genutzt werden kann.
Es wurde ein nächstes Bündnis-Treffen für Fr., den 15. Januar 2016 in Göttingen vereinbart.

Matthias Heintz, 8.10.2015