Sicht der Praxis

verschiedene Bücher und Artikel thematisieren die Sicht der PraktikerInnen auf die gegenwärtige Kinder- und Jugendhilfe:

Seithe-Cover

"Das kann ich nicht mehr verantworten"

Mechthild Seithe/ Corinna Wiesner-Rau

2013 Paranus Verlag  ISBN 978-3-940636-28-7    

Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus verschiedenen Arbeitsfeldern berichten, was sie heute im Alltag ihrer Profession an Zumutungen und Halbheiten erleben. Soziale Arbeit wird im Kontext neoliberaler Politik gegängelt. Hilfe wird oft gar nicht mehr gewährt oder billigere, aber weniger sinnvolle Hilfen werden notwendigen vorgezogen. Und den Klientinnen und Klienten wird, statt sie sozialpädagogisch zu begleiten, häufig längst mit Druck und Sanktionen begegnet. Dieses Buch bricht das Schweigen über oft skandalöse Zustände in der Sozialen Arbeit.

 

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Whistleblowing in der Sozialen Arbeit | Auswirkungen negativ ökonomisierter Arbeitsbedingungen

Martin Stummbaum
sozialarbeit 7/12

 

Zusammenfassung:
Als eine Kultur des (er)duldenden Wissens um Missstände und Fehlentwicklungen stellt sich die vorherrschende Arbeitssituation der Sozialen Arbeit in Deutschland dar. Dies lässt sich aus der Auswertung von 122 Praxisberichten von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ableiten. Sogenanntes Whistleblowing, also die Aufdeckung von Missständen im eigenen Arbeitsbereich, kann in belasteten Arbeitssituationen ein Ansatz sein, zum Erliegen gekommene Prozesse der Vertretung fachlicher Ansprüche und Interessen zu reaktivieren.

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Kommentare zur Petition: "Bundesweiter Aufruf zu einem Memorandum in der Kinder- und Jugendhilfe Für die Wiederherstellung einer sozialpädagogisch und ethisch orientierten Jugendhilfe"

2015/2016

Die Kommentare sind ohne Nennung von Namen und Wohnort in der Reihenfolge ihres Erscheihnens abgedruckt.

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Durch die derzeit konsequent ignorierte bzw. uninteressiert hingenommene Benachteiligung großer gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere von Kindern in schwierigen Situationen und ihren Familien legen wir geradezu den Grundstein für Zustände, in denen Hass, Missgunst und Gewalt gegenüber Benachteiligten, denen es NOCH schlechter geht, ausagiert werden. In Sonntagsreden hören wir regelmäßig viel über die angebliche Wichtigkeit der Kinder. Aber wo findet sich das im Alltag wieder? Notwendige Hilfen scheitern immer wieder am Geld – dafür kennen wir allzu viele Beispiele.
Jedes Kind braucht genügend ZUWENDUNG und ZEIT, Familien wie auch Professionelle benötigen Anerkennung (auch finanziell), Freiräume und Unterstützung. Niemand sollte sich z.B. am Arbeitsplatz dafür entschuldigen müssen, wenn auch die Familie Priorität bei ihm/ihr hat…
Menschen sind KEIN HUMANKAPITAL!! Diese fatale Sichtweise muss gestoppt werden, weil sie schreckliche Folgen spätestens in der nächsten Generation hat!

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Bin seit zwei Jahren als Angestellte (Dipl.-Soz.-Päd.) mit einer “eigenen” Erziehungsstelle für 2 Kinder tätig. Diese Basisarbeit ist sinnvoll, stößt aber ständig an Grenzen der noch zuständigen Jugendämter und Ämter für wirtschaftliche Hilfen. Beispiel: für das jüngere Kind (5.Klasse Regelschule) habe ich für 6 Monate Nachhilfe in Mathematik beantragt, da mit spezifischer Förderung das Erreichen des Hauptschulabschlusses möglich sein könnte – dazu habe ich ein psychologisches Gutachten, eine eigene pädagogische Stellungnahme sowie eine weitere Stellungnahme der zuständigen Fachberatung eingereicht. Schon dieser Aufwand widerspricht dem Sinn und Zweck von Erziehungsstellen, die ja den Kindern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in jeder Beziehung ermöglichen sollen, da diese i. d. R. aus sog. benachteiligten Familien kommen. Indirekt wird der Nachholbedarf der Kinder, die ja deswegen in Erziehungsstellen leben, permanent durch materielle Begrenzungen ad absurdum geführt.
Eine Genehmigung der Nachhilfe steht noch aus- das Schuljahr hat längst begonnen.
Unüberhörbar sind auch zunehmende “Ratschläge” von professionellen SozialarbeiterInnen, man solle die Kinder nicht etwa an ein (materielles) Niveau gewöhnen, welches sie im späteren Leben doch kaum erreichen könnten…
Der “Marktgedanke” tarnt sich hinter dem wohlwollenden Hinweis auf Frustvermeidung : ” Schuster, bleib bei Deinem Leisten”…
Abgesehen von der politisch falschen Entwicklung der Sozialen Arbeit macht eben diese unter den gegebenen Bedingungen einfach wenig Spaß!
Ich unterstütze das Memorandum und hoffe auf mannigfache Verbreitung.

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unsere Kinder gestalten die Zukunft, je mehr sich die neoliberalen Ideologie in die Köpfe unserer Kinder einschleicht, werden sie keine Zukunft mehr haben.

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Ich bin gegen die Steuerungsmaßnahmen und dem Managerialismus in der Kinder- und Jugendhilfe. Sozialpädagogische Arbeit sollte weiterhin durch die Praktiker_innen selbstbestimmt bleiben und ihren Schwerpunkt auf den Interessen der Adressaten beibehalten.

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Ich arbeite seit 16 Jahren in der Jugendhilfe und erlebe wie auch meine Kollegen, dass die wirtschaftlichen Zwänge zu Einsparungen führen. Diese Einsparungen behindern die Arbeit mit den Menschen. Für die Bankenrettung wurden bis jetzt 81 Milliarden $ bezahlt. Ein Bruchteil davon würde den Kindern und Jugendlichen helfen in eine bessere Zukunft zu schauen.

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Diese Petition ist zumindest ein Anfang! Wir haben Einfluss auf unsere Arbeitsbedingungen und sollten diesen auch ausüben.

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meine Arbeit im Sozialamt/Jugendamt wird immer mehr bestimmt durch Kostenplanungen, Zielvorgaben, schriftlichen Leistungsnachweise, Statistiken. Lange Wartezeiten bei den (aus Kostengründen priorisierten) ambulanten Erziehungshilfen - u das bei immer komplexeren Problematiken bei Kindern/Jugendlichen und ihren Familien. Mangelnde HIlfeangebote für junge Erwachsene m Beeinträchtigungen. Geringe Bezahlung u geringe Anerkennung als SozPäd

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Bin Sozialarbeiterin und nach einigen Jahren in der Kinder-und Jugendhilfe einerseits enttäuscht, wie wenig sich letztlich erreichen lässt, weil die Personaldecke so dünn ist. Dies führt zu Spannungen (auch im Kollegium), Ohnmachtsgefühlen, Wut, Trauer, Frust und manchmal auch dem Gedanken, alles hinzuschmeißen.

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Position der Kinder- und Jugendhilfe des DBSH Einstimmig gegen die Entprofessionalisierung der Kinder- und Jugendhilfe Die Kinder- und Jugendhilfe des DBSH verurteilt aufs Schärfste, dass mittlerweile bundesweit durch die Jugendämter auftretende Handling, Jugendliche mit Erreichen des 18. Lebensjahr aus der Jugendhilfe zu entlassen. "Wir finden es verwerflich, dass Übergänge in diesem Alter von der Politik als Sparmaßnahmen verwendet werden", so Thomas Greune. Die Entwicklungsphasen der Jugendlichen dürfen nicht aus dem Fokus politischer Entscheidungen ausgeblendet werden. Insbesondere eine teilweise praktizierte Beendigung von Maßnahmen im Bereich der Hilfen zur Erziehung mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres, ist nicht lebensweltgerecht und lässt Erziehende als auch Jugendliche und junge Heranwachsende in Zeiten eines Umbruchs alleine. Da Politik in der Vergangenheit nicht genügend Fachkräfte ausgebildet und das Handlungsfeld teils unattraktiv gestaltet hat, fehlen derzeit Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. "Wir erwarten, dass Politik aus ihren Fehlern lernt und das Handlungsfeld einerseits attraktiver gestaltet und andererseits für weitere Ausbildungsplätze / Studienplätzen sorgt, anstatt das Handlungsfeld zu entprofessionalisieren", so Michael Leinenbach. Mit Sorge sehen wir die nicht bedarfsgerechte Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der stationären Angebote. "Bereits bevor die unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge in Deutschland ankamen, wurden Jugendliche aus der Kinder- und Jugendhilfe mit Erreichen der Volljährigkeit entlassen. Eine Debatte, dass die unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge der Grund der Entprofessionalisierung sind, halten wir für unzulässig und verwerflich", so Christian Lohwasser. Neben der stationären Kinder- und Jugendhilfe sehen wir ein enormes Defizit in der Ausgestaltung der ambulanten Angebote. Die Kinder- und Jugendhilfe des DBSH sieht die Politik in der Verantwortung, dieser Fehlentwicklung sofort entgegenzusteuern. "Wir erwarten Taten anstatt Sonntagsreden", so Anette Plewka. Berlin, .

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Für Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession und eine emanzipatorische Haltung der Sozialarbeitenden. Für ein Verantwortungsbewusstsein, in dem wir Soziale Arbeit als Teil von politischen Strukturen begreifen, die wir als handelnde Personen unkritisch stützen oder aber kritisch politisch denkend mitverändern können.

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Weil hier ein Zurück zur Pädagogik und Jugendhilfe der schwarzen Pädagogik aus dem 19. und 20. Jahrhundert betrieben wird mit der vermeintlichen Absicht Kosten zu sparen. Es wird aber teurer werden und die Potentiale der Kinder die in die Fänge dieser Jugendhilfe geraten gehen unserer Gesellschaft verloren. Jugendliche und Kinder werden "missbraucht". Das wollen wir nicht dulden! Hermann Pfahler, Landesarmutskonferenz Berlin

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Die Verwässerung der Ethik als auch die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit ziehen für die AdressatInnen als auch für die Professionellen Unmengen an Probleme mit sich. Ich verstehe die Petition als ein wichtiges Zeichen gegen die neoliberalistischen Strömungen, die seit einigen Jahren auch zunehmend im Sozialen Bereich zu spüren sind.

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Bin heute zufällig darauf gestoßen... Ich dachte, ich kämpfe allein für Menschlichkeit und gegen Windmühlen. DANKE für die Möglichkeit, hier öffentlich eine eindeutige Stellung beziehen zu können.

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Aufgrund eigener Erfahrungen in der öffentlichen Jugendhilfe und den Rückmeldungen der damaligen Kollegen, sollte besonders in der Arbeitssituationen gehandelt werden, um ein angemessenes und professionelles, und damit letztendlich auch effizientes, Handeln zu ermöglichen.

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Weil die Arbeit der Jugendhilfe sehr wichtig ist und die Probleme der Kollegen/innen in vielerlei Hinsicht nicht ausreichend gestützt und gefördert wird.

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Die Aktion ist sehr wichtig und ist die Grundlage eine erfolgreiche Präventionsarbeit! Vielen Dank an die Autoren.

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Weil ich aus vielen Erfahrungen in meinem Berufsalltag, das konstruierte Beispiel der Jugendlichen H mit den komplexen Problemen nur bestätigen kann!

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Ich setzte mich als Sozialpädagogin seit Jahren für die Kinder und Jugendhilfe ein und erlebe die gravierenden Entwicklungen tagtäglich bei den Klienten sowie am eigenen Leib. Wir müssen Soziale Arbeit dringend druckentlasten und für Familien die Hilfen die ihnen zustehen erhalten und an den wachsenden Bedarfen ausrichten.

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Ich arbeite ebenfalls im sozialen Arbeitsbereich und kann die Forderungen in dieser Petition nur unterstützen. In allen Bereichen des sozialen Sektors zeigen sich die Folgen der Sparprogramme und damit eine enorme Verschlechterung der Angebote für hilfebedürftige Menschen. So kann es nicht weiter gehen, die Folgen werden unserer Gesellschaft schwer auf die Füße fallen.

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war in meinem Berufsleben selbst Betroffene von dieser unseligen Entwicklung, Kapitalismus halt...

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Diese Petition ist mir wichtig, da ich als Schulsozialarbeiterin tätig bin und im Kontakt mit den Jugendämtern mit häufiger Fluktuation und Unterbesetzung konfrontiert bin, die Hilfeangebote verzögert oder stark erschwert und betriebswirtschaftlich begründet wird. Mir ist es deshalb wichtig zu unterschreiben, weil auch die Schulsozialarbeit selbst nur bei hoher Kontinuität wirksam ist und auch diese ist durch Zeitverträge und wiederkehrende Ausschreibungen immer wieder gefährdet. Es besteht eine dauernde Rechtfertigungspflicht für unsere Arbeit, die manchmal zeitliche Ausmaße annimmt, die sinnvolles Arbeiten stark erschweren...Und zuguterletzt ist auch die eigene Lebensplanung und familiäre Sicherheit eine Grundlage, um zufrieden und engagiert arbeiten zu können.

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Weil sie im Meer der neoliberalen Volksverdummung in die richtige Richtung zeigt, in die Richtung der Menschen.

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Als Diplom-Psychologe, der sein Arbeitsleben in der Jugendhilfe verbracht hat, unterstütze ich diese Petition. War doch mein Berufsleben schon geprägt durch den Spagat zwischen fachlicher Hilfe und Kostenfragen, so ist diese Situation heute schlimmer geworden. Ein Bild: Unsere Gesellschaft ist wie ein Hochhaus. In den oberen Geschossen werden Appartements für die jetzigen Erwachsenen saniert, während in den unteren Geschossen der heranwachsenden Kinder und Jugendlichen Wände rausgerissen werden. Dipl.-Psych.,Dipl.theol. Hans-Christian Krohns

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Aus eigener Erfahrung mit einem ADHS-Kind weiß ich, wie wichtig die Hilfe zur Erziehung ist. Wir haben als Familie sehr davon profitiert. Unser Kind hat sich inzwischen zu einem prächtigen Jugendlichen entwickelt, auf den wir sehr stolz sind und der nun alle Möglichkeiten nutzen kann, seinen eigenen Weg zu gehen. Es macht mich daher wütend, zu erfahren, dass offensichtlich immer mehr betroffene Kinder und Eltern um diese Chance betrogen werden!

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Auf diesem Gebiet wird exemplarisch deutlich, was der Neoliberalismus anrichtet. Aber vom Standpunkt des Geldes aus betrachtet könnte es gar nicht besser laufen... Humanismus?! Das war einmal!

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Ich arbeite in der Jugendarbeit und habe die gleichen Sorgen.

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Die im Memorandum des "Bündnisses Kinder- und Jugendhilfe" beschriebenen Entwicklungen sind Teil allgemein um sich greifender Veränderungen. Die neoliberale Seuche frisst sich in sämtliche Lebensbereiche. Die Anwendung neoliberalen Denkens auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stellt einen feigen Angriff auf Menschen dar, die der Hilfe bedürfen.

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Ich unterzeichne, weil ich gegen Totalitarismus und damit gegen Beschämung, Kontrolle und Instrumentalisierung bin. Ich war als Erzieherin tätig und habe die Anfänge dieses "Herumreich-Spielchens" erlebt. Ich weigere mich Teil eines Systems zu werden, in dem ich instrumentalisiert werde. Ich arbeite nicht mit Kunden und Klienten, ich verwalte niemanden, sondern ich begegne Menschen.

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Ich habe den Film im WDR "Arm geboren - schon verloren" gesehen. Ich bin erschüttert was in dem reichen Deutschland möglich ist. (obwohl auch der Film nicht ohne Klischees auskam).

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Es geht in unserem sozialen Bundesstaat (Art. 20 GG) um den Erhalt und die Weiterentwicklung verfassungsgemäßer und gesetzeskonformer Kinder- und Jugendhilfe. Parlamentarier und Behörden müssen sehr deutlich auf ihre Bindung an Verfassung und Gesetz hingewiesen werden. Kinder und Jugendliche, Eltern und Mitarbeitende dürfen nicht länger Opfer einer sogenannten Reformpolitik sein, die nichts anderes als sachwidrige Kürzungspolitik ist. Es darf nicht sein, dass Behörden Gesetze brechen und dann auch noch renitent gegen Urteile der Gerichtsbarkeit im Sinne der Betroffenen sind. Letztlich gilt es, den volks-, demokratie- und sozialstaatsfeindlichen Neoliberalismus mit seinen Instrumenten wie Schuldenbremse und Fiskalpakt, TTIP, CETA und TISA nachhaltig zu überwinden und seinen polititisch-parlamentarischen Lakaien die WählerInnenstimmen zu entziehen. Kinder, Jugendliche und Eltern sind keine Waren / Kunden, sondern TrägerInnen der Menschenwürde (Art. 1 GG)!!!

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In meinem Arbeitsbereich erlebe ich eine seit Jahren wachsende Anzahl von sehr jungen Erwachsenen, die eine juristische Betreuung erhalten bzw. unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen benötigen. Dies halte ich für ein Armutszeugnis für die derzeitige Kinder- und Jugendhilfe. Es darf nicht sein, dass junge Menschen so wenig Unterstützung, Förderung und Zukunftsperspektive erhalten haben, dass sie mit Eintritt in das Erwachsenenalter mangels anderweitiger Möglichkeiten zunehmend angewiesen sind auf die Hilfe juristischer BetreuerInnen, die dann ausgleichen sollen, was in der Vergangenheit versäumt wurde. Auch das "Weiterreichen" an diese Institution ist ein Ausdruck für das Versagen einer zunehmend betriebswirtschaftlich betriebenen und marktorientierten Sozialpolitik.

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Es ist an der Zeit, dass die Menschen sich endlich wieder auf die Errungenschaften der humanistisch und sozial orientierten Bewegungen in Richtung Freiheit und Demokratie besinnen. Denn trotz allem Militarismus‘, aller feudalen, autoritären und faschistischen Strömungen und Epochen und ihren entsprechenden Erziehungs- und Bildungsmethoden konnten diese immer wieder durchdringen. Zumindest in Teilen des 20. Jahrhunderts wurden die zentralen gesellschaftlichen Wertesysteme in Richtung der Achtung der Menschenwürde, der Realisierung von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit verschoben. (Matthias Heintz in NachDenkSeiten vom 16.10.2015)

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weil die Kinder und Jugendlichen unsere Zukunft sind. Sie dürfen nicht dem Geld geopfert werden.

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Unsere Demokratie wird zunehmend ausgehöhlt, wenn immer mehr Menschen sich ihr verweigern. Die abnehmende Wahlbeteiligung ist ein deutliches Zeichen für diesen Vorgang. Eine Demokratie ohne Demokraten könnte so enden, wie die Weimarer Republik ohne Republikaner. Deshalb ist es besonders wichtig, der nachwachsenden Generation - Kindern und Jugendlichen - faire und möglichst egalitäre Teilhabechancen an unserem Gemeinwesen zu schaffen und zu sichern. Hier darf nicht gespart werden. Im Übrigen sollte die Hauptförderung in den Kitabereich fließen, weil dort die höchste Prägewirkung erzielt wird. Dr. Dierk Helmken - Jugendrichter i.R.

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Um es - in Anspielung auf einen anderen Zusammenhang - mal ganz schlicht auszudrücken: Immer unzureichendere Unterstützung der darauf angewiesenen Kinder und Jugendlichen einerseits und weitgehende Verschonung riesiger Privatvermögen andererseits geht gar nicht! Derartige Zustände untergraben nicht nur die Effektivität sämtlicher Unterstützungsmaßnahmen, sondern auch die für eine lebenswerte Gesellschaft zentralen Werte wie Humanität und Solidarität.

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Der niederländische Ökonom Paul Ankersmid schrieb einmal: "Wer den Neoliberalismus will, will den Feudalismus zurück. Und damit das verhindert wird, unterschreibe ich und leite diese Seite weiter an andere und ich wünsche viel Erfolg für ganz viele Unterschriften.

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Ich habe an den Universitäten in Bonn und Köln 1999 ein GW-Studium aufgenommen mit Philosophie als Hauptfach und hatte vorher die Fachoberschule Sozialpädagogik mit der zwölften Klasse abgeschlossen. Ich musste um an der Uni zu studieren, trotzdem noch das Vollabitur also 12 und 13. Klasse absitzen, trotz Ausbildung. Die Anerkennung erbrachter Leistungen, Ausbildung, Lehre, Berufsjahre usw. erfolgte nicht. Im Philosophiestudium erfuhr ich dann von inhaltlichen Streitereien, die von den konfessionellen Sozialpädagogischen Fachhochschulen, Heilpädagogischen Fakultäten (Behindertenpädagogik) und den universitären Einrichtungen ausgehen und die pädagogischen Grundannahmen bilden. Die Kontroversen sind weltanschaulich, daher 'ungelöst' und mit allen Scheinen im Magister konnte ich meinen Abschluss nicht machen (natürlich selbstverschuldet!). Die Nützlichkeitsdoktrin, aus dem Angelsächsischen ist da nur eine auf die man stößt, die z.B. mit liberalem Katholizismus aneckt. D. ist anfällig für Doppelstandards, irrsinnige kurzfristige Profitmache und Ideologien, weil diese Problematik viel zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert und bekannt ist: Die Privatisierungen im Bildungsbereich sorgt für ein Zerfallen der öffentlichen Debatte in kleine Interessengruppen, so dass das Gesamtproblem nicht deutlich wird. Die Investition in Bildung ist nichts, was vor HarzIV schützt, dabei sind Studienjahre meistens aus privater Tasche finanziert! - (Das Dogma, dass wirtschaftliche Streben (Existenz) der Ethik (Sein) als Existenzsicherung vorgeschaltet werden müsse, erfährt durch die historisch traditionell geprägte protestantische Wirtschaftsethik (dem Seinen gibt's der Herr im Schlaf) die öffentliche Legitimation und bei den weniger Konfessionellen reicht der billige kurzfristige Erfolgsbegriff). Es ist in der Gesellschaft ein so geringes Gerechtigkeitsgefühl gegenüber objektiv erworbenen Bildungsleistungen, dass im neoliberalem Denken und bei HarzIV Existenzsicherung die intellektuelle Kapazität eines Mitarbeiters komplett wegfällt. Das ist ein Rückfall in nicht mehr mittelalterliches, sondern schon fast vorsintflutliches Denken. Dabei werden junge Menschen in dem was sie wollen und brauchen, hin und hergeschoben, überhaupt nicht ernst genommen und nur gegängelt. Auch beraten die Jobcenter Jugendliche auf dem Gymnasium dahin, dass sie nach der 12. abgehen und nicht das Vollabitur machen, um Geld zu sparen. Es ist skandalös - passiert mal eben still und leise!

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Eine ganz simple Sache: es ist dran, a l l e s für unsere Kinder und Jugendlichen in den Familien zu tun, damit unser Land überhaupt eine Z u k u n f t hat. Wir brauchen schlicht und einfach Menschen, die gemeinsam ihren Sinn z u m L e b e n erfahren haben. Geld, in Waffen, Industrie und Straßen und Häuser etc. gesteckt, lässt sich nicht essen und wärmt auch nicht... ein warmes Zuhause, Liebe, gelungene Bindung in der Familie etc. ist die Voraussetzung zum Leben. Insoweit spricht die Petition von dem, was dringend dran ist.

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Ich habe selbst als Sozialpädagogin viele Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet und weiß um die Problematik. Die ständigen Pressemitteilungen über misshandelte und vernachlässigte Kinder sprechen für sich! Kinder sind schutzlos, von ihren Erziehungsberechtigten abhängig und ihnen ausgeliefert. Wenn hier die öffentliche Jugendhilfe versagt sind sie verloren! Kinder sind unsere Zukunft! Wir können es uns nicht erlauben sie derartig im Stich zu lassen.

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Die Fortschreitende Vernichtung der freien Entfaltung im Kinder- und Jugendalter ist das Instrument, freies Entwickeln und Entscheiden zu behindern. Doch ein als frei geltendes Land braucht freie Menschen und die gibt es nicht zu kaufen oder durch Zufall. Deswegen bin ich hier Unterstützer im Streit gegen die Zerstörer von Kindheit und den Grundlagen demokratischer Willensbildung.

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An der Jugendhilfe zu sparen, ist eine Unverschämtheit Kindern und Jugendlichen gegenüber.

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Ich finde, es ist wichtig, sich den Rahmen unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen klar zu machen und mit der Unzufriedenheit im täglichen Prozess in die Öffentlichkeit zu gehen und einen Prozess der Diskussion anzustoßen.

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Während meiner ca 20 jährigen Tätigkeit im Allgemeinen Sozialen Dienst (1993 bis 2013) konnte ich die Entwicklung, die in dem Memorandum beschrieben und kritisiert wird, deutlich miterleben.

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Weil seit Jahren die strukturelle Jugendarbeit immer weiter eingeschränkt wird zugunsten kurzlebiger und plakativer 'Projekte', während die Bedarfe sich erhöhen aufgrund von neoliberaler Politik der letzten Dekaden. Die Reichtums-Armutsschere weitet sich deutlich und immer mehr Kinder und Jugendliche leben in Armut mit wenig Perspektiven in diesem reichen Land! Dies verletzt eklatant die Normen der sozialen Marktwirtschaft und gefährdet unsere Demokratie und Zukunftsfähigkeit.

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I've worked in this field and I would like to make it better than it is right now.

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Ohne Jugendarbeit und umfassende Bildung werden wir schon in jungen Jahren sehr alt aussehen!

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Jugendhilfe darf nicht ausbluten und zum heimlichen sparpotential werden

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Ich war über 30 Jahre in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe tätig und verfolge die Entwicklungen schon lange mit Sorge. Um diese Entwicklung möglichst zu stoppen unterschreibe ich diese Petition

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Als Kinderanwalt sehe ich seit Jahren, wie die staatlichen Leistungen abgebaut werden und vor allem die Familien die Suppe auslöffeln müssen. Es ist gut, dass das jetzt zum Thema gemacht wird.

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Bin selbst in der Jugendhilfe tätig und erlebe seit Jahren, wie die Restriktionen wachsen. Wollen wir ein sozialer Staat bleiben, kann es so nicht weitergehen.

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Ich arbeite seit 40 Jahren in der Kinder- u Jugendhilfe und kann aus meiner praktischen Arbeit heraus diese unheilvolle Entwicklung absolut bestätigen. Es wird höchste Zeit diese Entwicklung zu stoppen und unterstütze dieses Memorandum. Silvia Fest-Walter

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weil wir als Träger der freien Jugendhilfe mittlerweile von den Jugendämtern finanziell geknebelt werden und mit unserem erfahrenen nach dem TVöD bezahlten Personal ums Überleben kämpfen!!!

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Kinder und Jugendliche brauchen mehr qualifizierte Hilfen und das ist eine öffentliche Aufgabe!

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Herzlichen Dank für diese wichtige und überfällige Initiative. Wir dürfen uns nicht länger gefallen lassen, dass fachfremde neoliberale Kräfte, die alles über den Markt geregelt wissen wollen, vorgeben wie Sozialen Arbeit zukünftig gestaltet wird. Der Mensch und nicht der "Markt" muss unser Handeln bestimmen. Nicht die kostengünstigsten sondern die aus fachlicher Sicht besten Hilfen, müssen unser Bestreben sein

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Neben moralischen und ethischen Gesichtspunkten: Die Abwertung sozialer Arbeit gefährdet zielgerichtet und nachhaltig gesellschaftliche Ressourcen, die für die Zukunft dringend benötigt sind.

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Als Erziehungsleiter in einer Jugendhilfeeinrichtung nehme ich in leider zunehmendem Maße wahr, welchem Kostendruck die öffentliche Jugendhilfe ausgesetzt ist und welche einschränkenden Konsequenzen das für die tägliche Gewährungspraxis hat. Damit entfernt sich Jugendhilfe mehr und mehr von ihrem gesetzlichen Auftrag und dem, was junge Menschen und ihre Familien brauchen.

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Auch meine persönlichen Erfahrungen sind ein zunehmende Ökonomisierung in der Jugendhilfe. Ich beobachte mit großer Sorge, dass Mindestqualitätsstandarts immer wieder unterlaufen werden. Die Helfersysteme sind oft schlecht ausgebildet oder verfügen über einer geringe persönliche Eignung für die professionelle Jugendhilfe. Der Kostendruck auf die Jugendämter spiegelt sich dann oft in der Qualität der Sozialarbeit wieder. Unter "erfolgreicher" und ressourcenorientierter Sozialarbeit verstehe ich etwas anderes, als ich es aktuell oft erlebe. Gute und professionelle Arbeit hat auch ihren Preis. Dies gilt doch auch im privatwirtschaftlichen Bereich. Ulf Winter, Praxis Familienimpulse

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Für eine unabhängige und qualitativ hohe Jugendarbeit!

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Soziale Arbeit dient Menschen und nicht der Ökonomisierung. Jugendhilfe braucht gut ausgebildete inspirierte vernünftige konstruktive Sozialarbeiter, die ihre Arbeit qualitativ ausüben können. Der wegen der übertriebenen Fallzahlen entstehende Stress und die Angst um das eigene Überleben führen eben nicht dazu, dass ein Sozialarbeiter vernünftig, inspiriert, konstruktiv und qualitativ arbeiten kann. Es lohnt sich die Soziale Arbeit wertzuschätzen - weil mindestens ein dreifacher Ertrag für Gesellschaft zurückkommt!

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In dem Umgang mit der Jugend spiegelt sich das Menschenbild der Gesellschaft & hier wird gleichzeitig dessen Zukunft gebildet ...Daher muss die bestmögliche Unterstützung auf moralischen, nicht wirtschaftlichen Grundsätzen aufbauen

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Die Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft. Wer sie nicht mit sozialen Kompetenzen versieht, ihnen keine Chancen lässt, eigene Ideen zu entwickeln und diese zu leben, verspielt unsere und ihre Zukunft.

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Kinder- und Jugendhilfe sind eine öffentliche Aufgabe und dürfen nicht privatisiert werden. Schon viel zu viele öffentliche Aufgaben werden -dem Ökonomisierungswahn folgend- entweder privaten gewinnorientierten Investoren -für den Fall das sich damit Geld verdienen lässt- oder ehrenamtlich tätigen Menschen -falls sich damit kein Geld machen lässt- übertragen.

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Hände weg vom KJHG!

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Es wird langsam Zeit das auch die Arbeit der Erzieher als solche gesehen und entsprechend honoriert wird. Die Abwertung unseres Berufes durch die dümmlichen Ideen der Politik ist erschreckend, zeugt nicht von Akzeptanz hinsichtlich unserer Leistungen und macht uns trotz langjähriger Ausbildung zu einer Berufsgruppe die mit Kindern spielt und das kann ja jeder.

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Weil ich als Sozialpädagogin und ILP-Therapeutin Einblick in die Thematik habe und der Meinung bin, dass in diesem Bereich vieles verändert werden muss. Zum Wohle einer ganzen Gesellschaft.

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So notwendig wie nie...

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Gute Arbeit:-))

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Ich arbeite seit insgesamt 10 Jahren als Dipl. Sozialarbeiterin in einem benachteiligten Quartier in einer großen westdeutschen Stadt, seit 6 Jahren bin ich als kommunale Straßensozialarbeiterin tätig. Ich bin somit, nach SGB VIII, zuständig für junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren. Ich unterstütze diese Petition, da ich die Kritik voll und ganz teile. Die zunehmende Einschränkung von offenen, niedrigschwelligen UND gleichzeitig kontinuierlich bestehenden Angeboten zu Gunsten einer Projektierung von sozialen Angeboten hat teilweise jetzt schon katastrophale Auswirkungen. Ich beobachte eine eklatant zunehmende Unzufriedenheit bei jungen Menschen, die herrührt von einem Nicht-Ernst-Genommen-Werden von Schule, teilweise unzureichenden Angeboten der Jugendhilfe und zu vorerst: den U25-Abteilungen der Jobcenter und deren angrenzenden Maßnahmen. Die Kritik, die Sozialarbeiter*innen bereits lange in Richtung der zuwendungsgebenden Gremien und Entscheidungsträger äußern, verhallt größtenteils, um es freundlich auszudrücken: ungehört oder wird heruntergespielt. Gleichzeitig zu beobachten, dass einerseits regelhafte Angebote der offenen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit immer weiter eingeschränkt werden, Schulen mit immer neuen Aufgaben überfrachtet werden und zu gleicher Zeit bspw. Unsummen für zeitlich befristete Projekte gegen eine vermeintliche "Extremisierung" von jungen Menschen ausgegeben werden, macht mich regelrecht fassungslos. Ich vermisse fachliches Wissen und Verständnis um die Bedarfe von jungen Menschen und einen Weitblick, der über Legislaturperioden hinausgeht.

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Damit der Ausverkauf der Jugendhilfe nicht noch weitergeht...

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Das Diktat ökonomischer Interessen führt zu Deprofessionalisierung, damit zu weniger und/oder schlechterer Hilfe für Kinder und Jugendliche. Die Kinder- und Jugendhilfe muss die Möglichkeit haben, auf alle spezifischen Aspekte eines jeden einzelnen Falles resp. Menschen einzugehen und genau die Zeit zu investieren, die erforderlich ist, um wirksame und nachhaltige Hilfe leisten zu können.

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Weil ich den Ausführungen in der Info - Mail absolut zustimme!!!

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Die in dem Memorandum beschriebenen Fehlentwicklungen müssen aus meiner fachlichen Sicht als Dipl.-Sozialarbeiter unbedingt korrigiert werden.

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Weil ich die dargestellten Entwicklungsprobleme zu 100% teile und ebenfalls im sozialen Bereich tätig bin.

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Jugendhilfe hat kaum eine Lobby in der Politik und auch in der Gesellschaft. Die Kinder und Jugendlichen sind immer noch " die Schlimmen" und Zitat: unwertes Leben. Zitat Ende. Schlimm? Ja, aber weist auch auf völlig mangelnde Information hin!

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Toll geschrieben das Memorandum! Ihr habt meine volle Unterstützung!

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Mir ist diese Petition wichtig, weil ich in der Familien- u. Jugendhilfe immer wieder erlebe, dass nachhaltige Erfolge zuerst durch Beziehungsarbeit zustande kommen. Mit Case-Management und Sozialraumorientierung im Fokus oder an erster Stelle – sind Menschen in schwierigen psychosozialen Verhältnissen überhaupt nicht zu erreichen! Sie lassen sich nicht berechnen, nicht durch Zielvereinbarungen, Kontrolle oder Bewertungen auf den richtigen Weg bringen. Sie werden sich selbst nur verändern können und wollen, wenn sie darin unterstützt werden, mehr von sich selbst zu verstehen! Selbstverstehen und Selbstveränderung geschieht aber vor allem über die Beziehungsarbeit. Weil Menschen ihre Defizite ja auf der Beziehungseben "gelernt" oder erlebt haben. Sie können dieses Erleben, diese „falsch“ Gelernte, auch nur auf der Beziehungsebene wieder verändern bzw. sich durch ein konstruktives Beziehungserleben verändern. Hier ist der Personzentrierte Ansatz, den Mechthilde Seithe z.b. in ihrem Buch "Engaging" als Klientenzentrierte Beratung vorstellt, dringend zu empfehlen. Professionelle Beziehungsarbeit geht aber nur mit ausgebildeten und erfahrenen Helfern. Es darf in der Familien-, Kinder- u. Jugendhilfe nicht so kurz gedacht werden, dass der billigste Träger zum Zug kommt. Es muss gehen, sondern es muss um ausgebildete Fachkräfte gehen, die selbst einschätzen können, wie sie arbeiten wollen und die gemeinsam mit dem Klienten Schritt für Schritt einen Prozess der Veränderung gestalten. Und die dafür anständig bezahlt werden. Wir dürfen es nicht aufgeben, für das humanistische Menschenbild in der Familien- u. Jugendhilfe wieder mehr Relevanz zu erreichen – auch in Bezug auf die Helfer! Auch wenn ich mich wiederhole, Berechenbarkeit, Zielvereinbarungen, Kontrolle, Bewertungen bedeuten Zwang und Fremdbestimmung, man denke nur an die vorgefertigten Fragebögen, die Helfern an die Hand gegeben werden. Niemand agiert tatsächlich so. Er würde oder wird die Menschen mit Hilfebedarf gar nicht erreichen, weil die ja spüren, dass das aufgesetzt ist, unecht, keineswegs von echtem Interesse zeugt. Weil wir Menschen einfach keine berechenbaren Maschinen sind. Die Folgen sind Widerstand, Ausweichmechanismen, und massive Folgekosten! Die Ressource zu nutzen, dass Menschen sind sich selbst organisierende Systeme sind, die sich auf konstruktive Weise organisieren können und wollen, muss wieder Vorrang haben. 

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weil ich m ich für die Aufwertung und Umwertung seit Jahren aktiv einsetze

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... weil sich Kritische Soziale Arbeit endlich parteilich auf die Seite ihrer Klientel stellen muss - und nicht auf die Seite des Kapitalismus.

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Weil es immer auch die freien und kleinen kritischen Träger, Meinungen, Läden, Einrichtungen und Menschen geben muss, da sonst die Welt eine einzige braune Suppe ohne Buchstabennudeln und buntes Gemüse wäre. Rechtliche und gesetzliche Hilfe soll für alle jederzeit ohne Scham in Anspruch genommen werden können. Auch möchte ich mir aussuchen können, wer mir hilft!

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Sinkende Etats, zunehmende Arbeitsverdichtung und hoher Arbeits- und Verantwortungsdruck stellen Fachkräfte der Jugendhilfe vor die Wahl: Entweder sie machen Abstriche in der Qualität in der Arbeit oder sie versinken in totaler Arbeitsüberlastung. Diese Petition sollte massenhaft unterschrieben werden, damit außerhalb der Fachöffentlichkeit verstanden wird: so kann es nicht weitergehen. In den USA entwickelt derzeit Obama in Programm, wonach Studierenden, die sich verpflichten nach Studienabschluß 10 Jahre mit armen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu arbeiten, die inzwischen immensen Studiengebühren erlassen bekommen - sonst finden die Kostenträger/Träger keine Fachkräfte mehr für diese Arbeit. Schon jetzt finden die Jugendämter nur erschwert Nachwuchskräfte, die sie einstellen können.

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An der Kinder- und Jugendhilfe zeigt sich am deutlichsten, wie weit der allgemeine Sozialabbau seit den 80-er Jahren in unserer Gesellschaft fortgeschritten ist. Wenigstens in dieser Hinsicht ist unsere Gesellschaft sehr "Fortschrittlich".

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Ich arbeite selbst in einem freien Kinder- und Jugendhilfe Träger und es wird deutlich spürbar, dass die Hilfeleistung schwieriger wird, vor allem in der Ambulanten Betreuung von Jugendlichen. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen verringern die Hilfsangebote und schädlich für die Psychohygiene.

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Die Soziale Arbeit darf nicht auf der Strecke bleiben, vor allem nicht die KlientInnen und SozialarbeiterInnen.

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...,um den Bestrebungen der indirekten Abschaffung des gesetzlichen Anspruchs auf HzE entgegen zu wirken.

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Wir müssen endlich beginnen, die "Hilfen zur Erziehung" aus der "Schmuddelecke " zu holen - gegenüber welchen Klientengruppen würde man sonst heute schon so unverhohlen und öffentlich die Gewährung der Unterstützung von der Kassenlage der jeweiligen Kommune abhängig machen!

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Die Vermarktwirtschaftlichung des gesamten Spektrums der Sozialen Arbeit stellt meiner Meinung nach ein großes Problem dar. Angesichts der Tatsache, dass sich die Kinder u. Jugendarbeit den kommenden Generationen unserer Gesellschaft annehmen soll, macht diesen Umstand umso schwerwiegender, da die Gefahr einer Verfestigung sozialer Ungerechtigkeit hier am stärksten seine Wirksamkeit auf die Zukunft unserer Gesellschaft ausweitet.

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Für eine starke und nachhaltige Kinder- und Jugendhilfe! Schluss mit Scheinangeboten und Schönfärbereien! Wir müssen eine Bestandsaufnahme darüber, wo es in der Jugendhilfe klemmt, zusammentragen und offen diskutieren. Der sich daraus ergebende tatsächliche und aktuelle Bedarf, für eine sinnvolle und nachhaltige Unterstützung für Eltern, Kinder und Jugendliche (Flüchtlinge eingeschlossen!), muss unverzüglich umgesetzt werden. Wir haben Antworten und sind nicht mehr bereit uns durch die im Sozialen herbeigeführte Finanznot spalten, hinhalten und unsere Arbeit konterkarieren zu lassen.

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Helfen Sie mit! Austeritätspolitik und Schuldenbremse zerstören die Grundlagen für eine humanistische Kinder- und Jugendhilfe und betreiben den Ausverkauf der Ethik der Sozialen Arbeit

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Ich verfolge entsetzt seit Jahren, wie unter dem Deckmäntelchen der Verbesserung und Vereinfachung (und damit der Effizienz und dadurch der Kostensenkung) diese aus meiner Sicht nicht nur unerlässlichen, sondern sowieso schon zu geringen Unterstützungsangebote abgesenkt bzw. geschleift werden. Aus meiner Sicht verdeckt das Deckmäntelchen, dass es ausschließlich um Einsparung geht, ohne Rücksicht auf Betroffene und ohne einen Blick auf die langfristig zu erwartenden Konsequenzen für unsere Gesellschaft.

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Es wird höchste Zeit, dass wir uns gegen Strategien der Verbetriebswirtschaftlichung der gegenwärtigen Kinder- und Jugendhilfepolitik, mit all deren fatalen Folgen zur Wehr setzen und uns für eine Kinder- und Jugendhilfe stark machen, die den Adressatinnen eine fachliche Unterstützung garantiert.

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weil wir nicht länger dabei zusehen können, dass die Kinder- und Jugendhilfe Schritt für Schritt immer weiter deprofessionalisiert, kaputt gespart und als Kontrollinstrument missbraucht wird.