Mahnwachen

 

 

  1. Mahnwache zur AGJF Sitzung am  4. 11. 2011, Berlin

der-Meister-predigt-dem-Volk 2  Herbst Winter 11 (1)

Mahnwache 6
Mahnwache vor der Hamburger Botschaft in Berlin 2011

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Mahnwache am 29. März 2012 in Dresden

Kundgebung-Dresden-29.3.12
 AGJF, 29. März 2012

am vergangenen Donnerstag fand in Dresden zur Eröffnung der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden (AGJF) eine Kundgebung unseres Bündnis Kinder- und Jugendhilfe - für Professionalität und Parteilichkeit statt. VertreterInnen von den verschiedenen Gewerkschaften, vom Berufsverband DBSH, vom Forum Unabhängige Soziale Arbeit, dem AKS Sachsen, aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Jugendhilfe Sachsen und nicht zuletzt wir BündnisteilnehmerInnen nahmen an der Kundgebung teil.

Leider wurde uns strikt von Seiten der Polizei auf Wunsch der Leitung des Schloss Eckberg (Tagungsort in Dresden) der Zutritt zum Tagungsgelände verweigert. Nicht mal mir als Sprecher des Bündnis Kinder- und Jugendhilfe wurde der Zutritt gewährt, um eine Stellungnahme unsererseits zu überbringen. Auch ließ sich aus dem Gremium der AGJF heraus niemand dazu herab, mit uns das Gespräch zu suchen. Das spiegelt die Kommunikationskultur bzw. die politische Kultur wider, wie wir sie seit Monaten wahrnehmen. Der Dialog der Politiker von Länder- und kommunaler Ebene mit uns Fachkräften wird weitgehend gemieden. Nur unter größtem Druck konnte es uns Anfang Februar bisher einmal gelingen, mit einem Referenten aus Hamburg im Bündnis ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig wird uns von Seiten der Politik Stimmungsmache und ein unredlicher Umgang mit der Thematik vorgeworfen. Wenn wir jedoch nachfragen, was da hinter verschlossenen Türen beratschlagt und verabschiedet wird, folgt eisernes Schweigen. Dieser Verweigerungshaltung werden wir weiterhin mit Beharrlichkeit begegnen und nicht locker lassen, uns weiter einzumischen. Wer nicht kommuniziert, muss sich nicht wundern, wenn unsere Mutmaßungen, die allerdings auf guten Recherchen basieren, weiter geschürt werden. Die Zeiten, in denen wir uns haben bevormunden lassen, sind vorbei. Ohne die Fachlichkeit unseres Berufsstandes wird nicht mehr länger Politik hinter verschlossenen Türen über unsere Köpfe hinweg gestaltet.
Als Randbemerkung finde ich interessant, dass diese Damen und Herren Politiker über strukturelle Änderungen in der Kinder- und Jugendhilfe nachdenken, die einzig einer drastischen Kürzung der Finanzen zu Lasten unserer Arbeit gehen soll, sich dabei unter Rahmenbedingungen treffen, die uns exorbitant teuer erscheinen, wie zuletzt dieser ausgesprochen luxoriöse Tagungsort in Dresden. Dass sich diese noch nicht einmal hochrangigen Politiker mit Chauffeur in Nobelkarossen durch die Lande fahren lassen, wie wir dies bei den Mahnwachen immer wieder erleben, passt so gar nicht zu den finanziellen Kürzungsvorhaben, die unsere Volksvertreter sich für unser Arbeitsfeld auf die Fahnen geschrieben haben. Diese Luxusbedingungen werden schließlich aus Steuermitteln finanziert.
 In Dresden trafen wir dann gegen Ende der Kundgebung noch auf einen anreisenden Teilnehmer der AGJF, der freundlicher Weise unser Flugblatt versehen mit entschlossenen Grüßen von uns KundgebungsteilnehmerInnen in den Arbeitskreis mitnahm.
 
Redebeitrag Mahnwache Dresden
 
"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
wir stehen hier heute ein für unsere Arbeitsplätze in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch für die Menschen, Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern, die auf unsere fachlich qualifizierte Unterstützung setzen.
 
Seit Jahren wird von Seiten der Politik unsere fachliche Arbeit zunehmend disqualifiziert und fremdbestimmt. Betriebswirtschaftler, Verwaltungsfachwirte und Politiker von kommunaler Ebene, Länder- und Bundesebene nehmen immer weiter Einfluss auf unsere Arbeit. Sie unterziehen uns einem Spar- und Kontrolldiktat. Wir haben lange, viel zu lange geduldet und geschwiegen. Das hat jetzt ein Ende. Wir wehren uns, wir mischen uns ein!
 
Heute sitzen hier im Schloss Eckberg Mitglieder der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden zusammen, die unter der Federführung des Stadtstaates Hamburg abschließend über die Umsteuerung der Kinder- und Jugendhilfe beraten. Dieses Konzept, das in Hamburg bereits umgesetzt wird, soll Ende Mai der nächsten Jugend- und Familienministerkonferenz als richtungweisendes Modell für die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland vorgelegt werden. Hinter Pseudoargumenten, die bestehenden ambulanten, wie stationären  Hilfen zur Erziehung  seien zu uneffektiv und deutlich zu teuer, sie arbeiteten nicht genügend sozialraumorientiert, verbirgt sich ein Einspar- und Kontrollprogramm, das die ohnehin chronisch geschwächten Grundlagen unserer Arbeit gänzlich ad absurdum führt. Nebenbei wird die Absicht verfolgt, die individuellen Rechtansprüche auf Hilfen zur Erziehung auszuhöhlen und zu einem Papiertiger verkommen zu lassen.
Das werden wir nicht zulassen. Wir mischen uns ein!
 
Wir werden nicht zulassen, dass die ethischen Grundlagen unserer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe, die Gewährleistung von Teilhabe und Mitbestimmung, Hilfe zur Selbsthilfe, parteilicher Unterstützung für Menschen in schwierigen bis existentiellen Notlagen, Solidarität und verlässlicher Beziehungsarbeit zugunsten einer verwässerten Schnäppchenjugendhilfe aufgegeben werden.
 
Wir werden nicht länger zulassen, dass die seit 1998 beginnende Privatisierung der Kinder- und Jugendhilfe fortgeführt wird, die -der Logik des Marktes folgend- das Gewinnstreben und nicht den Menschen an erste Stelle setzt. Privatisierung ist eines der wesentlichen Elemente, welche die eben genannten Grundwerte unserer Arbeit substantiell zerstört. Exemplarisch möchte ich hier nur die zunehmend prekären Arbeitsverträge und Arbeitsbedingungen vieler Kolleginnen und Kollegen nennen.  Diese verhindern eine verlässliche und nachhaltige Beziehungsarbeit zu den Menschen, die auf unsere fachlich und menschlich qualifizierte Arbeit bauen. Diese mangelhaften Arbeitsbedingungen gefährden immer öfter aber auch die psychische und physische Gesundheit von uns Fachkräften. Die Gesetze des freien Marktes gehören nicht in die Soziale Arbeit!
 
Wir werden nicht zulassen, dass die Jugendarbeit bzw. Jugendsozialarbeit und die Hilfen zur Erziehung gegeneinander ausgespielt werden, wie dies im Rahmen des Hamburger Modells geschieht. Eine tragfähige Kinder- und Jugendhilfe braucht die verlässliche Kooperation aller ihrer Bereiche. Wir wehren uns gegen diesen primitiven Versuch der Hamburger Initiatoren, einen Keil in die Kinder- und Jugendhilfe zu treiben, um so ihre Ziele leichter umsetzen zu können.
 
Wir werden uns nicht länger die Lüge der Geldknappheit und der leeren Kassen anhören, diese Dauerparolen neoliberaler Strukturfunktionalisten und kommunaler Politiker, die damit nicht nur die Qualität unserer fachlichen Arbeit immer weiter aushöhlen, sondern die auf diesem Wege auch den Raubbau an öffentlichem Hab und Gut vorantreiben. Wir haben keine Geldnot, sondern ein gigantisches Umverteilungssystem finanzieller Ressourcen von unten nach oben.
 
Die Vermarktwirtschaftlichung  unserer Gesellschaft seit den 80er Jahren hat die Lebensbedingungen für Eltern, Kinder und Jugendliche zunehmend brüchiger und unsicherer gemacht. Kinder und Jugendliche werden heute rücksichtslos als Hauptkonsumenten eines freien Marktes missbraucht und ausgebeutet.
Andererseits werden immer mehr Familien durch die neoliberalen Arbeitsmarktmechanismen von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen oder sind zumindest stark von Ausgrenzung bedroht. Diese Bedingungen führen bei stetig sinkenden Kinderzahlen zu immer größeren Problemlagen vieler Familien. Dies erklärt ganz wesentlich die steigenden Bedarfszahlen und die damit tatsächlich enorm steigenden Kosten in der Kinder- und Jugendhilfe. Diese Entwicklung hat die freie Marktwirtschaft ganz wesentlich zu verantworten. Es ist nur Recht und billig, wenn wir fordern, dass sie die Folgen dieser Negativentwicklung auch finanziert.
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir vom Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit möchten Euch Mut machen, diesen voranschreitenden Abbau der Qualität unserer Arbeit nicht länger zu dulden.
Die Kinder- und Jugendhilfe leistet seit vielen Jahren eine qualitativ hochwertige Arbeit. Sie hilft, unterstützt und begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in eine selbstbewusste Autonomie. Sie ist darin aber auch Garant für gesellschaftliches Miteinander und leistet so einen fundamentalen Beitrag zum sozialen Frieden und zur demokratischen Kultur. All das steht seit geraumer Zeit mehr denn je auf dem Spiel. Wehrt Euch dagegen! Bleibt in Euren Arbeitskontexten nicht allein. Schließt Euch zusammen oder schließt Euch bereits bestehenden Bündnissen, Initiativen, Gewerkschaften oder Berufsverbänden an. Fordern wir die Politik heraus, sich endlich wieder für eine starke und nachhaltig wirksame Kinder- und Jugendhilfe einzusetzen. Es ist 5 vor 12! Wir wehren uns! Wir mischen uns ein!
 
Ich danke für die Aufmerksamkeit." 
Dresden, 29.3.12,  
Matthias Heintz, Sprecher des Bündnis Kinder- und Jugendhilfe

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Sitzung der AGJF am 7. und 8. März in Kiel 2013

bei der Sitzung überreicht:

Positionspapier des Bündnisses Kinder- und Jugendhilfe - für Professionalität und Parteilichkeit

gerichtet an die Sitzung der AGJF am 7. und 8. März in Kiel 2013Das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe begrüßt die Fortsetzung der Arbeit an den Überlegungen zur Umsetzung einer zukünftigen Kinder- und Jugendhilfe. Dabei möchten wir als Bündnis verschiedene folgende Positionen einbringen:

Wir sind der Ansicht, dass das SGB VIII/KJHG als ein ineinandergreifendes, aufeinander aufbauendes Konzept zu betrachten ist, dessen potentielle Möglichkeiten bislang nie ausgeschöpft wurden. Deshalb sehen wir in den Grundsäulen des Gesetzes keinerlei sinnvollen Veränderungsbedarf. Vielmehr müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, dieses Gesetz gerade unter den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen duktusgetreu in die Praxis umsetzen zu können.

Darüber hinaus würde eine Initiative zur Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz viele Missverständnisse in den Ländern und vor Ort ausräumen helfen und insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe in einem besser akzeptierten Rahmen agieren lassen.

Alle Aspekte, die fachlich in der JFMK/AGJF und den hinzugezogenen Institutionen diskutiert werden, sind im Gesetzeskanon bereits fest verankert und müssen endlich in vollem Umfang und konsequent umgesetzt werden.

So sind Prävention (§ 16), die Förderung der Partizipation der Zielgruppe (§§ 11 ff), die Hilfeformen bei akuten Problemlagen von Kindern und Jugendlichen (Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 ff), Entwicklung, Bildung und Betreuung im Elementarbereich (§§ 22 ff) in einer sich ergänzenden Weise zu verstehen. Dabei soll die Gestaltung der Kinder- und Jugendhilfe sich an der Lebenswelt der jungen Menschen und ihrer Familien orientieren (§ 9). Das Gesetz richtet sich in diesem Gesamtgefüge immer am Entwicklungsstand des jungen Menschen aus. In diesem Sinne dürfen wir das bestehende SGB VIII/KJHG als ein Konzept betrachten, welches in hohem Maße den Ansprüchen der Inklusion gerecht wird.

Um es an der Praxis zu beschreiben:

Ein junger Mensch, der sich selbst und/oder mit seiner Familie in einer akuten Krise befindet, wird zunächst eine ihn und die Familie schützende und individuell orientierte Hilfe brauchen. Diese bieten die Hilfen zur Erziehung in enger Verzahnung mit den vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten in der die Familie umgebenden Lebenswelt. Dabei ist die Erziehungsberatung in besonderer Weise ein Baustein der Hilfen zur Erziehung, die per se eine niederschwellige primär- und sekundär präventive Arbeit leistet.

Demgegenüber treffen Fachkräfte aus den Bereichen Prävention, der Elementararbeit, der aufsuchenden Jugendarbeit junge Menschen in schwierigen bis bedrohlichen Lebenslagen an und begleiten sie und ihre Eltern in den Bereich der Hilfen zur Erziehung.

Alle Unterstützungsformen der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten nach der Maxime, so früh als möglich zu intervenieren, um die Entwicklung des Kindes und den Prozess der Verselbstständigung zu stärken. Das gilt für den Kindergarten, wie für das Gruppenangebot für Eltern in der Familienbildungsstätte, sowie für den Hilfeprozess im Zusammenspiel des Dreiecks von AdressatInnen, Jugendamt und der die Hilfe umsetzenden Einrichtung im Rahmen der Hilfe zur Erziehung, genauso wie für den jungen Erwachsenen, der der Nachsorge bedarf oder erstmals eine Hilfe nach dem SGB VIII in Anspruch nimmt.

Die ethischen Maxime des geltenden SGB VIII lauten:

Zum frühest möglichen Zeitpunkt soll die Kinder- und Jugendhilfe einen Beziehungsprozess fördern, der

  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Hilfe zur Selbstkontrolle
  • Partizipation
  • Dialog auf Augenhöhe zwischen AdressatInnen und dem Hilfesystem
  • und Nachhaltigkeit ermöglicht und sichert.

Dabei ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Öffentlichem Träger mit den Trägern der freien Jugendhilfe (§ 4) und den Hilfen aus anderen Leistungsbereichen (§81), (Schule, Gesundheitswesen, Kultur und Justiz) bereits im Gesetz verankert.

Die Arbeit der akuten Hilfen geht aus der schützenden individuellen Begleitung in das unterstützende Umfeld (Schule, Angebote der Schulsozialarbeit, der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, der präventiven Angebote für junge Menschen und ihre Familien, z.B. Familienbildungsstätten). Die Sozialpädagogische Familienhilfe sei hier als klassisches Beispiel der Verzahnung von individueller Hilfe und dem Brückenbau in die Lebenswelt der Familie genannt.

Sozialräumliches Handeln muss in definierten Räumen stattfinden. Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Institutionen geschieht bei Beachtung der unterschiedlichen methodischen Ansätze – die Kooperationen und mögliche Überleitungen brauchen dringend verstetigte, anerkannte Regeln, die die Akzeptanz aller Beteiligten benötigt und sichert. Die vielfältig vorfindbare Panik wegen der erwogenen/befürchteten Kindeswohlgefährdung muss auf ein vertretbares Risiko reduziert werden und braucht dafür Rückendeckung vorgesetzter Stellen. Die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe muss vor diesem Hintergrund stärker inkludierende Aspekte und gleichrangiges Handeln berücksichtigen!

Eine Bevorzugung bestimmter Bereiche, beispielsweise der Prävention vor den Hilfen zur Erziehung, wird dem inklusiven Verständnis des Gesetzes nicht gerecht. Im Gegenteil verursacht eine solche Herangehensweise Spaltungs- und Ausgrenzungsprozesse. Dies läuft dem Verständnis des SGB VIII als ein ineinander greifendes Gefüge zuwider und ist eine verdeckte Spielart der Exklusion. Diese Versuche zur Vorenthaltung von notwendigen und vermeintlich teureren Hilfen zur Erziehung, halten wir für rechtswidrig. Es ist eine von verschiedenen Varianten der Aushöhlung des Rechtsanspruches auf Hilfe zur Erziehung.

Um dem o.g. Verständnis der Kinder- und Jugendhilfe gerecht zu werden, erachten wir die Umsetzung und Sicherung qualitativer Elemente fachlicher Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe, wie im SGB VIII determiniert, für dringend geboten.

Eine nachhaltige Jugendhilfe, die sich an der Gestaltung vertrauensvoller Beziehungen und sicherer Bindungen orientiert, ist die Basis für den Weg des jungen Menschen in die Autonomie. Dafür braucht die Profession entsprechend stabile Arbeitsbedingungen und Arbeitsverträge. Diese müssen Kontinuität und Verlässlichkeit für die Fachkraft und den jungen Menschen mit seiner Familie gewährleisten. Eine angemessene Entlohnung für eine qualitativ hochwertige und verantwortliche Arbeit ist hierbei moralisch geboten. Leistung wird üblicherweise in unserer Gesellschaft hauptsächlich über Entlohnungssysteme ausgedrückt.

Die Hilfeinstitutionen müssen entsprechend der Bedarfe angemessen quantitativ und qualitativ ausgestattet sein. Dies muss insbesondere in der personellen Ausstattung der Jugendämter und der freien Träger berücksichtigt werden. Investitionen in eine an Nachhaltigkeit orientierte Kinder- und Jugendhilfe ist nicht nur ein fachliches, sondern ebenso ein wirtschaftliches Gebot. Die Kinder- und Jugendhilfe ist nicht der Verursacher der extrem hohen Steigerung der Bedarfe an Hilfen zur Erziehung und der damit verbundenen Kostenexplosion.

Nach der fundierten Analyse des 14. Kinder- und Jugendberichtes bedarf es nun einer politischen Antwort auf die Frage, wie bei absolut sinkenden Kinderzahlen auf einen derart extremen Anstieg der Hilfebedarfe in unserer Gesellschaft zu reagieren ist.

Die Lebensbedingungen einer zunehmend ökonomisierten und technokratisierten Gesellschaft hinterlassen mehr und mehr fragmentarische und die Bindung schwächende familiäre Lebensbedingungen.

Eine zunehmende unterschwellige bis offene Diskreditierung der Eltern und der sich immer weiter ausbreitende Generalverdacht eines kollektiven elterlichen Versagens, laufen dem Selbstverständnis der Kinder- und Jugendhilfe nach dem geltenden SGB VIII zuwider. Eine (auch medial unterfütterte) Kinderschutzdebatte, die in Teilen hysterische Züge trägt, kann gesamtgesellschaftlich weder für Kinder, noch für Eltern zu stabilen und stärkenden Erziehungsbedingungen beitragen. Nebenbei konterkariert diese auch das Bild der Jugendämter, in der Öffentlichkeit als ein kooperativer und vertrauenswürdiger Partner für Eltern wahrgenommen zu werden.

Ebenso muss eine Debatte über einen zunehmend unzureichenden Schutz der Kinder vor den Ansprüchen einer freien Wirtschaft an diese als Konsumenten geführt werden. Hier können die Folgen einer grenzenlosen und omnipotenten Konsumpräsenz in der Welt der Kinder nicht allein auf die Eltern abgewälzt werden.

Die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe muss als fachliche Expertise endlich an der jetzigen Diskussion um die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe direkt und aktiv – und vor allem VOR einer etwaigen Beschlussfassung - beteiligt werden. Die Fachkräfte an der Basis erleben die Folgen des gesellschaftlichen Wandels und die fachlichen Auswirkungen von offenen und verdeckten Kürzungsmechanismen seit Jahren unmittelbar in ihrer Arbeit. Diese Perspektive aus unmittelbarer Praxis für die künftige Planung der Jugendhilfe unberücksichtigt zu lassen, halten wir für eine unverantwortliche Unterlassung.

Die häufig unzureichende finanzielle Ausstattung der Kommunen darf durch die jetzt bundesweit beschlossene Schuldenbremse nicht zusätzlich verschärft werden. Alle konzeptionellen Neuorganisationsüberlegungen müssen zugunsten eines „mehr an Demokratie“ das zivilrechtliche Anliegen der Sozialen Arbeit unterstützen und finanziell entgegenstehende Zumutungen abweisen.

Die gängigen Management-Praktiken verschleiern die Zumutungen für die betroffene Bevölkerung und die Praxis. Sie unterstützen Organisationsformen, die der Sozialen Arbeit unangemessen Stress für alle Beteiligten auferlegen. Diese Praktiken lehnen wir deshalb ab!

Matthias Heintz Kiel, 7. 03. 2013

(Bündnis Kinder- und Jugendhilfe - Für Professionalität und Parteilichkeit)

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JFMK, 06. Juli 2013 in Fulda

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Mahnwache auf der Jugendministerkonferenz in Fulda

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JFMK, 22. Mai 2014 in Mainz

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JFMK Mai 2015 in Perl (Saarland)

 

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