Tagung des Deutschen Kinderschutzbundes gegen die Geschlossene Unterbringung in Dresden am 15.09.2015

Seit mehr als vier Jahrzehnten werden das Pro und Kontra von geschlossenen Einrichtungen im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in der Fachwelt, zwischen unterschiedlichen Pro-fessionen und Institutionen diskutiert. Dabei fehlt es nicht an Argumenten und Schärfe in der Auseinandersetzung. Die kinderrechtliche und jugendhilfepolitische sowie die sozialpädagogische Auseinandersetzung über die Zulässigkeit einer Geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen wird zum Test, ob der soziale Staat es wirklich ernst damit meint, Kinder als Träger eigener Rechte und einer nach dem Grundgesetz unantastbaren Würde zu achten und zu schützen.

Die Unverletzbarkeit der Würde des Kindes als Grundwert eines Verständnisses von Selbstbestimmungs- sowie Beteiligungsrechten und der damit verbundenen Orientierung an den Stärken des Kindes und Jugendlichen ist immer dann umstritten, wenn es zwischen unterschiedlichen Positionen zu entscheiden gilt: Ist die Würde eines einzelnen Kindes weni-ger wert als das Bestimmungsrecht seiner Eltern bzw. Perso-nensorgeberechtigten? Ist das Freiheitsrecht eines Kindes weniger bedeutsam als das Interesse der Gesellschaft, junge Menschen vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen? Was ist im Einzelfall unter Beachtung strenger Maßstäbe geboten?

Deutschland gesteht allen jungen Menschen das „Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ zu (§ 1 SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe). Hilfe zur Erziehung muss sich immer am Wohl des Kindes orientieren und den Anspruch der Erziehung zur Mündigkeit und den Schutz vor gewaltförmigen, verletzenden und entwürdigenden Maßnahmen erfüllen. Mädchen und Jungen, um die es bei der Frage der Erziehung unter Bedingungen des Eingesperrt-seins geht, haben seit ihrer frühsten Kindheit Gewalt, Vernachlässigung, Machtmissbrauch erlebt und können sich nicht (mehr) auf Standard-Angebote der Kinder- und Jugendhilfe einlassen. Nur weil sie mit bestehenden Hilfeformen schein-bar nicht mehr erreicht werden, darf nicht mit dem Etikett eines „Systemsprengers“ die Notwendigkeit einer Geschlossenen Unterbringung begründet werden.

Die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe zeigt, dass die nicht rechtzeitig und nicht in erforderlichem Umfang gewährte Hilfe zur Erziehung zu einer eskalierenden, selbst- und fremdgefährdenden Lebenspraxis von Mädchen oder Jungen beiträgt. „Anlass und Auslöser für die Geschlossene Unterbringung sind vor allem die Krisen des Jugendhilfesystems – weniger die Belastungen junger Menschen.“ (Schrapper 2013). Die Beschäftigung mit der Geschlossenen Unterbringung führt daher zwangsläufig dazu, sich mit dem Grundthema Qualität der Kinder- und Jugendhilfe auseinanderzusetzen.

Anmeldung bis spätestens 04.09.2015 online unter dem Link:

http://svy.mk/1J7zygJ   (Bildungsakademie BiS).

Teilnahmegebühr von 40,00 € / ermäßigt 15,00 € (inkl. Tagungsgetränken und Mittagessen) zu entrichten, diese sind innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Rechnung fällig. Veranstaltungsort: Evangelische Hochschule Dresden, Dürerstr. 25, 01307 Dresden. Die Veranstaltung ist ein gemeinsames Angebot des Deutschen Kinderschutzbundes Bundesverband und den zum DKSB Bildungsverbund gehörenden Landesverbänden Sachsen und Nordrhein-Westfalen - mit Unterstützung der Bildungsakademie BiS  www.bis-akademie.de

DKSB Fachtag GU Dresden 15.9.15

Flyer Fachtag GU_15_09_Dresden_DKSB

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