Die kriminalistisch/gerichtsmedizinische Sicht der Bremer SPD schadet dem Kinderschutz

In Bremen läuft der Bürgerschaftswahlkampf (10. Mai) an und treibt seltsame "Blüten". Die SPD/CDU Koalition hat von 1995 bis 2007 über drei Legislaturperioden (mit neoliberaler Austeritätspolitik) im Jugendamt massiv Personal abgebaut und die Sozialarbeiter*innen über Budgetvorgaben (rechtswidrig, unter Jugendamtsleiter Hartwig) systematisch daran gehindert, das Kindeswohl laut KJHG im Rahmen ihrer Fachlichkeit ins Zentrum ihres Handelns zu stellen.

Vor diesem Hintergrund mutet es zynisch an, wenn die SPD (Abgeordneter "Möhle") jetzt ausgerechnet Fortbildungen für Kita-Mitarbeiterinnen in der besseren Erkennung von Misshandlung als zentrale Wahlkampfforderung präsentiert und dabei suggeriert, damit dem besseren Kinderschutz und dem Kindeswohl zu dienen. (siehe WeserKurier vom 26.1.15. S. 8)

Nach dem Kevin-Untersuchugsausschuss 2007 und den vielen von Prof. Wolff (Berlin) und dem "Kronberger Kreis" durchgeführten bremenweiten Fortbildungen (Jugendamt und freie Träger zusammen) wurden ohnehin bereits viele notwendige Verbesserungen angepackt, die nur konsequent umgesetzt werden müssten. Das kostet Geld !

Was "Möhle", über Nacht zum Kinderschutzexperten mutiert durch Berufung (noch als Grüner) in den Kevin PUA, offensichtlich nicht erkennen kann, ist, dass kriminalistisch/polizeilich/rechtsmedizinische Identifizierung von Gewalt nur ein kleiner Bereich, längst aber keinen Kinderschutz garantiert und das Kindeswohl nicht automatisch fördert.(s.u. link zu einem ausführlichen Beitrag von Prof. Wolff)

Wir berichteten im April 2014 bereits ausführlich, hier der interne link.

Kindeswohlsicherung funktioniert nämlich in der Regel (in akuten Gefährdungslagen gibt es Ausnahmen) nur in Kooperation mit den Erziehungsberechtigten und dafür braucht es eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung z.B. mit systemisch/familientherapeutisch ausgebildeten Sozialarbeitern*innen im Jugendamt (und den freien Trägern), die nicht 70 Fälle (wie jetzt im Durchschnitt in Bremen), sondern maximal 30 Fallakten zu bearbeiten haben. Wenn Eltern das Jugendamt nur noch als polizeiliche Ermittlungsbehörde erleben, dann machen sie "dicht" und die Kinder sind dann erst recht gefährdet, auf lange Zeit.

Zur Zeit laufen dem Bremer Jugendamt, wegen der skandalös miesen Arbeitsbedingungen (TV-L 9) bei gleichzeitig höchstem Verantwortungsdruck, die Sozialarbeiter*innen in Scharen davon. Die Arbeitsfähigkeit ist in manchen Sozialzentren massiv gefährdet. Und dafür trägt sowohl die CDU als auch die aktuelle SPD/Grüne Koalition (Die Grünen haben seit 2011 das Sozialressort) mit ihrer Haushaltspolitik die politische Verantwortung.

Die auch in Hamburg (Scheele will bekanntlich nach 30 Jahren wieder ein geschlossenes Heim einrichten) zu beobachtende Tendenz der SPD, eine "Rechtsüberholung" durch Betonung der "Inneren Sicherheit" im Wahlprogramm zu verhindern, wird auf dem Rücken der betroffenen Kinder und ihrer Eltern ausgetragen.

"SPD will Kinderschutzfachkräfte durch Tatort-Profiler ausbilden lassen", so präsentierte sich die Bremer SPD schon vor Wochen im Weserkurier.

Hier ein Link zu einem guten Kommentar von Prof. Wolff zum Kinderschutz.

http://systemagazin.com/kinderschutz-david-gil-zum-90-geburtstag/

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