15. Deutscher Jugendhilfetag 3.-5.6.2014 Berlin

Beitrag unseres Bündnispartners UFO "Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit" zur Blogparade zum 15. DJHT

QUO VADIS, KINDER- UND JUGENDHILFE ?

Der 14. Kinder- und Jugendbericht, der auf 500 Seiten die gegenwärtige Lage der Minderjährigen in unserer Gesellschaft analysiert und u.a. den Leistungsbereich „Hilfe zur Erziehung“ des Kinder- und Jugendgesetzes ausführlich und detailliert vorstellt, kommt zu der Feststellung, „dass sich die Kinder- und Jugendhilfe in den vergangenen Jahren insgesamt gesehen recht gut entwickelt hat und in nicht wenigen Feldern zufriedenstellend aufgestellt ist“ (14. KJB 2013, S. 35). Und die Autoren fügen hinzu: „Hier leisten die MitarbeiterInnen auch unter schwierigen Bedingungen Hervorragendes“.

Diese Meinung können wir, das Unabhängige Forum kritischer Soziale Arbeit (Ufo) ganz und gar nicht teilen:

Wir distanzieren uns von allen Bemühungen, die Kinder- und Jugendhilfe zu einer kontrollierenden, Menschen schlicht steuernden und unter allen Umständen billigen Sozialinvestition umzukrempeln und sagen all denen den Kampf an, die solche Entwicklungen forcieren und - getarnt als fachlich sinnvolle Erneuerung - verkaufen möchten.

Der aktivierende Staat nimmt Begriffe wie z.B. „Aktivierung“ auf und belegt sie mit anderen Inhalten. Viele fallen darauf herein und denken, jetzt endlich sei der Durchbruch der Lebensweltorientierung gelungen.

Die „Dienstleistungen“ kommen ganz im Geiste des Förderns und Forderns unter Druck und Sanktionsandrohungen zustande.

Das KJHG wird in der gegenwärtigen Praxis in seinem Geist nicht ernst genommen und z. T. konterkariert. Das Konzept der Lebensweltorientierung wird ad absurdum geführt.

Die Prinzipien des KJHG werden in der heutigen Wirklichkeit der Sozialen Arbeit nicht mehr verfolgt bzw. sie werden zum Teil – irreführender Weise - mit anderen Inhalten gefüllt um scheinbar an fachlichen Argumentationen anknüpfen zu können.

Das KJHG gilt in der Praxis zunehmend als ein Luxus-Gesetz. Es wird so getan, als würde es Utopien beschreiben oder sei ein Relikt vergangener, sozialromantischer Kuschelpädagogik, welche heutigen objektivierbaren Verfahren nicht Stand halten können.

In dieser Distanz zum Geist des Kinder-und Jugendhilfegesetzes befindet sich die Kinder- und Jugendhilfe etwa seit dem Beginn der Neuen Steuerung und Ökonomisierung. Aber statt aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zu lernen, rüstet man sich gegenwärtig zu einer neuen Runde der Steuerung nach dem „bewährten“ Prinzip.

Die Politik kritisiert an den gegenwärtigen Hilfen zur Erziehung vor allem, dass sie ihr zu teuer seien. Obwohl sie seit 20 Jahren versucht, u.a. durch die zunehmendeVerbetriebswirtschaftlichung und Vermarktlichung dieses Bereiches (wie auch des Gesundheitsbereiches, die gesamte Soziale Arbeit und den Bildungsbereich) den Kostenfaktor zu senken und in den Griff zu bekommen, steigen die Kosten immer weiter. Dabei fallen besonders die ambulanten Hilfen zur Erziehung auf, weil sie sich, was die Fallzahlen und was die Kosten betrifft, in den letzten 10 Jahren verfünffacht haben.

Das wird offenbar vor allem als Warnsignal für eine ungesteuerte Entwicklung angesehen, denn faktisch betragen die Kosten für die ambulanten Hilfen zur Erziehung nach wie vor nur 5 % der Gesamtkosten der Kinder- und Jugendhilfe. Aber das ganze politische Bestreben geht derzeit dahin, die entsprechenden Kosten für ambulante Hilfen zu senken, „koste es was es wolle“. Aktuelles Beispiel ist die Propagierung einer „Sozialraumorientierung“, die von der Politik dazu genutzt wird, die Hilfen zur Erziehung in der gegenwärtigen Struktur zurückzudrängen bzw. überflüssig zu machen.

MARIE LUISE CONEN empfiehlt den Teilnehmenden in Berlin folgende Veranstaltungen DARUNTER SIND AUCH EINIGE UNSERER BÜNDNISPARTNER (fett markiert):

AM 4.6.

9.00.10.00 Halle 7.3.a Raum Berlin 1 Politik machen, Fabian Kessl (Einmischungsstrategien)
9.30-10.30 Halle 1.1. Raum Hamburg 4 44 Nachhaltigkeit im Blick: Ergebnisse einer Katamnese Studie im JH-Bereich u.a. Stefan Rücker, Petra
9.30-11.00 Meeting Bridge B, Raum Weimar 5 53 Stichwort, SRO: Verstellt die Einzelfallorientierung des SGB8 den Blick auf (s)eine sinnvolle Weiterentwicklung. Meysen, Thomsen, Panse
9.45 - 10.30 Raum Regensburg 58 Läuft uns die Zeit davon. Die Gute Hand, Diagnoseempfänger zu Hilfeempfänger?
10.00-12.00 Halle 6.1., Raum Dortmund 1 61 Fachforum eigenständige Jugendpolitik. U..a mit BMJF-Staatssekr. Ralf Kleindieck u. Mike Corsa
10.30-12.00 Halle 7.2.b, Raum Budapest 63 Ein Jahr danach. 14. Jugenbericht, der BR, u.a. Strzyna (Wissenschaftsperspektive/ Trägerperspektive....)
10.30-12.00 Halle 7.3.b, Raum Berlin 1 64 Qualität hat ihren Preis - Forderungen zur Entgeltordnung u. Bezahlung sozialer Berufe, GEW, Hocke
10.45-11.30 Halle 1.1., Raum Hamburg 2 67 Wirksamkeitsforschung sozialer Dienstleistungen. Am Beispiel Haushaltsorganisations-Training für Familien in prekären Lebenslagen U. Wössner, Caritasverband
11.00-11.45 Meeting Bridge C, Raum Dessau 6 70 Welche Hilfe ist die richtige? - Strategien zur Erhöhung der Zuweisungsqualität im ASD, u..M. Macsenaere, Mainz
12.00-13.30 Halle 7.2.c, Raum Dublin 91 Hilfesteuerung u. Finanzierungsstrukturen i.d. Diskussion u.a. Rose- SenJug Bremen, Pothmann, TU Dortmund, Meysen-Moderator
12.30-14.00 Halle 7.1.c, Raum Paris 2 99 Bildung u. Teilhabe für jg. Menschen durch das SGB 8 sicherstellen! Rechtsanspruch auf Ki-u.Ju-Arbeit, DPW u. Schneider , Wiesner Mod. Norbert Struck, DPW
12.30-14.00 Halle 7.3 a Raum Berlin 1 104 Qualität hat ihren Preis - GEW, Verband Kath. Einrichtungen. Fhetnakis, Hocke
14.30-15.15 Raum Ulm 107 Ursachen u. Begleitumstände von stationären Abbrüchen u. was dagegen zu tun ist - ABIE Forschungsprojekt, Harald Tornow
14.30-15.15 Halle 1.1. Raum Hamburg 2 108 Eltern als Partner in Prävention u. Intervention sexueller Gewalt, Konzepte - Erfahrungen. E. Helming
14.30-15.15 Meeting Bridge B, Raum Weimar 3 109 Zur Bedeutg. D. Aufwachsens in spez. Lebenslagen f.d. Inanspruchnahme erzieh. Hilfen - Empirische Befunde zum Urschengeflecht steigender Fallzahlen. Binder u. Bürger, LJA BW
14.30-16.30 Halle 7.1. B, Raum London 3 116 "Neue"Daten zum Kinderschutz: Befunde, Fragestellung u. Perspektiven zum 8 a i.d.KJH, Kindler, Pothmann, Kaufhold, Küster
14.30-16.30 Halle 7.2. B, Raum Budapest 120 Netzwerke i.d.JH: zwischen Patenrezept u. Selbstverstrickung, ISM-Mainz Jörg Fischer, Heinz Müller, H.-G.Weigel-Mod.
15.00-16.00 Meeting Bridge C,. Raum Dessau5 125 "Sozialraum-Sozialtraum" - oder: "Helft Euch selbst so gut Ihr könnt-von der Politik habt ihr nichts zu erwarten" - DBSH, Lohwasser u. Heinz, Mod.Bauer-Felbel
15.00-16.30 Meeting Bridge B, Raum Weimar 1 129 Was heißt 24/7 f.d. Beschäftigten? Zur wachsenden Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse i.d. KJH - Münch, Wegner-Verdi, Kessl-DGfE
15.45-16.30 Raum Ulm 132 Kinderschutzsysteme in Europa: Deutschland schwimmt flussaufwärts! - DIJUF, Meysen
17.00-17.45 Halle 1.1., Raum Hamburg 2 144 KJH im "Kritischen Jahrzehntg"- Herausforderungen u. Perspektiven im Kontext des demograf. Wandels - U.Bürger LJA
17.00.-19.00 Halle 6.1. Raum Dortmund 1 151 "Pluralität-Qualität-Finanzielle Ressourcen" - Eine Strukturreform der KJH ist unerlässlich. J.Münder, Wehrmann, Schipmann VPK
18.15-19.00 Halle 1.1. Raum Hamburg 1 165 Fachberatung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung - die Preaxis der Kinderschutzfachkraft. Discher-DKSB, Schimke DKSB

AM 5.6.

9.00-11.00 Halle 7.2.c, Raum Dublin 170 Jugendämter als strategische Zentren: Welche Rolle haben sie bei der Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung? ISM-Mainz, Müller, Mike Seckinger, Brill u. May-Ludwigshafen
9.00-11.00 Halle 6.1, Raum Dortmund 1 172 Soziale Arbeit ist MehrWert-Aufwertung der Sozialen Berufe Wegner-Verdi
9.00-10.30 Halle 7.3a, Raum Berlin 1 183 KJH in alter u. neuer Verantwortung - Hinweise aus der Statistik auf die Reichweite u.die Vielfalt der Angebote-Forschungsverbund DJI/TU-Dortmund: Grundmann Schilling, Pothmann, Rauschenbach-Mod.
9.00-11.00 Halle 7.1a, Raum New York 3 254 Revent and combat child abuse: What works? Lessons from 5 European countries, u.a. DJI
10.30-11.30 Meeting Bridge C, Raum Dessau 2 197 Erziehungshilfe, Soziale Prävention u. Quartiersentwicklung in Bremen (ESPQ). Diener-JABremen, Olk, JABremen SRO
11.00-11.45 Halle 7.3a, Raum Berlin 1 202 Kinderschutz kraft Verfassungsrecht-Vorzüge u. Tücken einer Konstitutierung des Kindesschutzes. Jestaedt u. Meysen
11.00-12.30 Halle 1.1, Raum Hamburg 1 203 Von alleine wächst sich nichts aus - was wir aus der AWO-ISS-Armutsstudie zur kommunalen Präventionsstrategie nutzen können. AWI u. ISS
Messeforum 10.00-10.45 Halle 4.2 479 Du KANNST es! Ressourcenorientierte Diagnostik i.d. KJH, Stiftung gute Hand
Messeforum 12.00-12.45 Halle 1.2 482 Rückkehr i.d. Herkunftsfamilie - eine Provokation oder eine wichtige Aufgabe? PFIFF Hamburg (Rückkehr aus Pflegefamilien)
12.00-13.00 Halle 1.1. Raum Hamburg 5 219 Vereinbarungen i.d. ambulanten Erziehungshilfen - Praxisbeispiele gelingender Kooperation von öffentlichen u. freien Trägern. AFET-Kröger, M.Block-AFET, Völker-Speyer
12.00-13.00 Meeting Bridge C, Raum Dessau 2 220 Aushandlung ambulanter Erziehungshilfen m. freien Trägern der JH - Wie kann es gehen? Vorstellung einer Arbeitshilfe für Jugendämter in NRW, BAGLJÄ, Weber u. Rotering
13.00-13.45 Halle 7.1a, Raum New York 2 227 Kinderschutz in Pflegefamilien. Kindler u. Helming DJI
14.00-15.30 Halle 2.1. Audtorium 33 Abschlußveranstaltung: Jung sein in Deutschland, Aufwachsen in Europa - u.a. BM Schwesig, Nöllert, U. Weidenfeld

Comments are closed.