Bericht vom Bündnistreffen am 16. November 2012 in Stuttgart

Botschaft vom Bündnistreffen am 16. November 2013 in Stuttgart   Der Ruf in den Süden war ein Schwieriger. Nur insgesamt acht TeilnehmerInnen folgten der Einladung zum Bündnistreffen am 16. November 2012 nach Stuttgart. Nichts desto trotz gab es eine sehr intensive Sitzung, in der erneut überdeutlich wurde, wie sehr wir für die Qualität und Fachlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe entschlossen und beharrlich eintreten müssen. Nach wie vor droht das Hamburger Schreckgespenst einer dort bereits in die Praxis umgesetzten Kinder- und Jugendhilfe über alle Landesteile und Regionen hereinzubrechen. Diese geradezu verstümmelte Praxis einer Kinder- und Jugendhilfe, die geprägt ist von dem Einspar- und Kontrolldiktat einer rein marktorientierten Jugendhilfepolitik. Hamburg ist nach wie vor federführend für die Umsteuerungsvorhaben der Länder in der Jugendhilfepolitik. Sie beeinflussen maßgeblich die Vorhaben einer Umsteuerungspolitik in der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden (AGJF), zukünftig in Kooperation mit den Kommunalen Spitzenverbänden, der AGJ und dem Deutschen Verein. Hamburg macht sich allerdings nicht nur daran, die Hilfen zur Erziehung ihrer fachlichen Maßgaben, wie sie im SGB VIII/KJHG verankert sind, auszuhöhlen. Sie machen sich nun auch an den großen Kahlschlag im Bereich der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit.   Aber es gibt offenbar auch hoffnungsvolle Zeichen aus Hamburg, wie uns von einem unserer Hamburger Bündnismitglieder mitgeteilt wurde. Offenbar weigern sich rund 100 ASD-MitarbeiterInnen, nach dem neuen und skandalösen Software-Programm jus.it zu arbeiten, das den Datenschutz in gravierender Weise missachtet, eine fachlich angemessene sozialpädagogische Diagnostik ad Absurdum führt und die freien Träger zu marktwirtschaftlichen Spielbällen degradiert.   Das sind die Zeichen, die wir PraktikerInnen, Studierende, Lehrende und politisch Engagierte für eine Jugendhilfe setzen müssen. Wir müssen konsequent für die Ethik des SGB VIII einstehen, das sich an den Prinzipien des Dialogs, der Hilfe zur Selbsthilfe, der Subjektorientierung, der Mitbestimmung und Kooperation und an der vertrauensvollen Beziehungsgestaltung orientiert. Deshalb unterstützen und begrüßen wir ausdrücklich alle Initiativen in Hamburg, die sich so mutig gegen diese Politik der Entmenschlichung zur Wehr setzt. Diese solidarische Botschaft senden wir aus Stuttgart nach Hamburg.   Das Bündnis selbst wird die Vorhaben der jugendhilfepolitischen Akteure weiter sehr genau im Blick behalten, den Dialog mit der Jugendhilfepolitik offensiv suchen und zum fachlichen Diskurs herausfordern. Wir werden darüber hinaus aber auch wieder die Mahnwachen aktivieren, sobald uns Zeit und Ort bekannt ist, wo die politischen Gremien tagen werden, die sich eine Umsteuerung der Kinder- und Jugendhilfe zum Ziel setzen, dessen mechanistisches Menschenbild wir entschieden ablehnen. Dies mit uns zu gestalten, möchten wir alle interessierten und engagierten Kolleginnen und Kollegen einladen. Kommt mit ins Bündnis Kinder- und Jugendhilfe!   Darüber hinaus steht für uns die Überlegung an, diese inakzeptable Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe auch aus der Perspektive der UN-Kinderrechtskonvention zu beleuchten und zu beeinflussen. Deshalb gibt es aktuelle Überlegungen unseres Bündnisses, auch der National Coalition beizutreten, dem Sammelbecken der Nicht-Regierungsorganisationen (derzeit in etwa 115 Organisationen), die sich damit beschäftigen und kontrollieren, dass die Bundesregierung die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in den Alltag der Kinder in Deutschland garantiert und voranbringt. Diese Organisation setzt sich ebenso die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz zum Ziel.   Wir vom Bündnis werden uns im Februar 2013 in Berlin wieder zusammensetzen und laden alle Interessierten ein, unsere Initiative im Rahmen eines solchen Treffens kennenzulernen.   Matthias Heintz (Sprecher Bündnis Kinder- und Jugendhilfe)

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