Wie viele Standards brauchen wir? Managerialistische Steuerung in der Jugendhilfe

Prof. Dr. Eckhard Hansen
Universität Kassel
Fachbereich Humanwissenschaften
Institut für Sozialwesen
Vortrag auf dem Fachforum des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland e. V. Am 8.6.2001
14. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag 7.-9. Juni 2001 Stuttgart
Bevor im Folgenden zentrale Merkmale des öffentlichen Managerialismus erläutert, dessen Auswirkungen am Beispiel Großbritanniens aufgezeigt und Perspektiven für die Soziale Arbeit behandelt werden, zunächst zwei kurze Anmerkungen zu den beiden zentralen Begriffen dieses Fachforums: "Standards" und "Management".
Die Diskussion über Standards ist eine missverständlich Angelegenheit im Bereich personenbezogener Sozialer Dienstleistungen (vgl. Hansen, F.: 2010). Standards an sich sind nichts Neues: Sie lassen sich z. B. ableiten aus der Sozialgesetzgebung, dem fachlichen Methodendiskurs sowie werte- oder organisationsbezogenen Grundsätzen. Gegen Standards an sich ist insofern nichts einzuwenden. Ebenso wenig ist gegen ein kluges Management etwas einzuwenden, das die Besonderheiten von Arbeitsbereichen und Arbeitsgegenständen kennt und respektiert und in diesem Rahmen bemüht ist, Maßstäbe für effizientes wie effektives Handeln zu entwickeln - soweit das innerhalb der Grenzen des Sozialen Arbeit möglich ist.
In jüngerer Zeit werden allerdings Standards auf eine Weise genutzt, die sich immer schwieriger mit Grundsätzen wohlfahrtsprofessioneller Tätigkeiten vereinbaren lässt. Solche Standards werden zum zentralen Steuerungsinstrument einer besonderen Form des Managements im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich.
Wir kennen seit Jahren die Diskussionen über das sogenannte "Public" oder auch "New Public Management", die in Deutschland innerhalb der Jugendhilfe unter der Überschrift der "Neuen Steuerung" geführt wurden. Solche Oberbegriffe verweisen allerdings lediglich auf ein "Konglomerat... von Konzepten und Handlungsempfehlungen", welches alles andere darstellt als ein "in sich kohärentes oder gar theoretisch konsistentes Reformkonzept", wie der Verwaltungswissenschaftler Hellmut Wollmann es formuliert hat (2002: 490).
In der Verwaltungswissenschaft wird eine Ausprägung dieser Orientie-rung als "öffentlicher Managerialismus" beschrieben, der die "marktorientierte Variante" unterschiedlicher managerialer Ausrichtungen repräsentiert (Schröter 2007: 153). Diese Variante lässt sich zunehmend in Managementverfahren identifizieren, die wir als Qualitätsmanagement oder Care/Case Management kennen, um hier zwei zentrale Verfahren zu nennen, die wiederum zahlreiche andere Managementkonzepte beinhalten können.
Aus der internationalen Diskussion lassen sich vier zentrale Merkmale dieses "öffentlichen Managerialismus" filtern (vgl. dazu und im Folgenden: Hansen 2011)
Den gesamten Vortrag laden Sie sich bitte hier herunter.

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