Alter Wein in schlechten Schläuchen ist auch nicht besser als neuer Wein in schlechten Schläuchen!

Eine Entgegnung auf den Beitrag
Neue Praxis oder Paradigmenwechsel.
Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung und des Kinderschutzes.
von Wolfgang Hammer
NeuePraxis, 10/11
von Mechthild Seithe
Zum Hintergrund:
Seit 2010 gibt es innerhalb der neoliberalorientierten Sozial- und Finanzpolitik unseres Landes Bestrebungen und Aktivitäten, die Kosten für die Hilfen zur Erziehung in den Griff zu bekommen. Dieser Prozess trägt den Namen:“ Wiedergewinnung kommunalpolitischer Handlungsfähigkeit zur Ausgestaltung von Jugendhilfeleistungen – Änderung des Kinder-und Jugendhilferechtes“. Geplant ist ein Umbau der Jugendhilfe, in der die, wie sie genannt werden, sozialräumlichen Angebote in Kooperation mit Schule und Kindertagesstätte weitgehend die Aufgaben übernehmen sollen, die man von den Hilfen zur Erziehung bisher erwartet hat, ohne dass sie, so wird unterstellt, eingelöst werden konnten. Dass dieser Ansatz (der zweifellos ein uraltes, nie wirklich gelöstes Problem der Sozial- und Bildungspolitik berührt, nämlich die Schwierigkeiten der Kooperation zwischen Schulsystem und Jugendhilfe), nicht aus reinen fachlichen Überlegungen heraus erfolgt ist allein an den Haushaltsfolgen abzulesen, die die Umsetzung dieses Konzeptes in der „Frontstadt Hamburg“ bereits gebracht hat: In Hamburg wurden 2011 die Haushaltsmittel für ambulante Hilfen für Familien von vormals 77 Mio. auf 15,7 Mio. runtergekürzt. Das Budget für die von Hammer so gepriesenen “Neuen Hilfen”, die vor allem im Bereich der sozialen Infrastruktur angesiedelten Hilfen beträgt 16 Mio.
Der Beitrag von Wolfgang Hammer ist genau in dem Augenblick veröffentlicht worden, wo sich in der Profession Soziale Arbeit endlich kritischer Widerstand gegen eine Aushöhlung des KJHG rührt. Die Gedanken, die im internen A-Länderpapier der Staatssekretäre freimütig genannt und dann an die Öffentlichkeit geraten sind, haben die Profession wach gemacht und empört. Auf ihre lauten Proteste hin wird aus der Politikecke jetzt einiges versprochen: Eine Abschaffung des individuellen Rechtsanspruches, wie in Verlautbarungen (A-Länderpapier), angedeutet, sei nie Beschluss oder Konsens gewesen. Man habe auf keinen Fall vor, den Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung anzugreifen. Ganz im Gegenteil, so wird geschworen: Man sei dabei, die Hilfe zur Erziehung deutlich zu verbessern.
Wolfgang Hammer versucht in seinem Beitrag in der Neuen Praxis aus einer fachlichen Perspektive heraus, seine Vorstellung von dieser „Verbesserung der Hilfen zur Erziehung“ zu entwickeln. Er beruft sich auf die Professionsprinzipien der Sozialen Arbeit, auf ihre fachlichen Traditionen und Konzeptionen aus der Zeit des sog. „Sozialpädagogischen Jahrhunderts“ (Rauschenbach 1999), als Soziale Arbeit sich als Profession etabliert und u.a. im KJHG ihr fachliches professionelles Konzept festgehalten hatte. Er wirft der heutigen Jugendhilfe vor, sie selber lege das KJHG konservativ aus. Es gälte, so Hammer, jetzt endlich die Prinzipien einer lebensweltorientierten Sozialen Arbeit in die Tat und in die Praxis umzusetzen.
Das hoch problematische Fazit seiner langen Bemühungen, sich als kritischer und fachlich hochengagierter Vertreter einer Sozialen Arbeit einzumischen, lautet allerdings:
Der Rechtsanspruch auf eine geeignete Hilfe zur Erziehung wird im Regelfall am wirkungsvollsten – und mit der stärkeren Beachtung der Menschenwürde – durch entsprechende Angebote der Infrastruktur erfüllt.“
1. Gesellschaftliche Verantwortung für gesellschaftlich verursachte Problemlagen - Sozialraumorientierung als angemessene Antwort?
Wenn man den Anfang des Fachbeitrages von W. Hammer liest, stellt man zunächst erfreut fest, dass hier jemand mit Erkenntnissen aufwartet, die inzwischen selbst in den Fachhochschulen eher tabuisiert werden und die in Zeiten des aktivierenden Staates, der einen jeden allein für sich und sein Schicksal verantwortlich macht, höchst ungewöhnlich sind, ja sich beinahe dem Verdacht aussetzen, linkes, marxistisches Gedankengut zu enthalten.
Nur ein paar Beispiele:
Die gesamte Replik können Sie gerne an dieser Stelle herunterladen und nachlesen.

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